Viele Gründer kommen gerade von der Hochschule – und gehen direkt zurück: als Lehrbeauftragte. Warum ein Lehrauftrag für Gründer interessant sein kann.

Über 90.000 nebenberufliche Lehrbeauftragte gibt es an deutschen Hochschulen, ein Teil von ihnen arbeitet eigentlich außerhalb der Hochschullandschaft. Manager, Rechtsanwälte, Ingenieure und andere Berufspraktiker werden von Hochschulen angeheuert, um den Studierenden Praxiseinblicke in die Arbeitswelt zu geben. Auch mehrere Gründer unterrichten nebenbei an Universitäten und Fachhochschulen; manche lehren Aspekte des Gründertums, andere fachliche Inhalte.

Lehraufträge sind selten gut bezahlt; mit Klausurkorrektur und Studierendenbetreuung kommen Lehrbeauftragte häufig nicht einmal auf den gesetzlichen Mindestlohn. Und das Renommee liegt auch weit unter jenem einer Professur. Wir haben nachgefragt, was Gründer dennoch motiviert, zurück an die Hochschule zu gehen und ihr Wissen an Studierende weiterzugeben.

Indirekte Reziprozität: Zurückgeben, wenn man selbst Hilfe bekommen hat

„Um den Lebensunterhalt zu bestreiten, lohnt es sich nicht“, bestätigt Axel Sommer. Sommer hat 2014 die Beratung Sommerrust gegründet. Sie hilft Unternehmen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und die Innovationsfähigkeit zu steigern. Nebenbei unterrichtet Sommer Studierende am Centre for Entrepreneurship der TU Berlin in kreativer Problemlösung. Auch an der TU Darmstadt hat der 36-Jährige schon einen Gastvortag über Innovation Management gehalten.

Was ihn dazu motiviert? Spaß an der Lehre und der Wunsch, etwas Gutes zu tun. „Ich weiß selbst, wie schwierig es ist, wenn man Dinge zum ersten Mal macht“, sagt Sommer. Es sei wichtig, dass Studierende Hilfe bekommen, wenn sie sich selbstständig machen wollen. Sommer selbst hat Wirtschafinformatik studiert und während eines Auslandssemesters an der University of Sydney gemerkt, wie hilfreich Praxisvorträge von Managern und Unternehmern sind. „Manche Dinge stehen eben nicht im Lehrbuch“, meint Sommer.

Auch sein TU Berlin-Kollege Sebastian Glende fühlt sich zum Teil altruistisch motiviert. Glende ist Ingenieur und Gründer der Firma Youse, die sich auf Usability-Forschung spezialisiert hat, vor allem in den Bereich Robotik und Smart Home. Dementsprechend gibt er Studierenden am Centre for Entrepreneurship Tipps, wie sich Produkte besonders nutzerfreundlich gestalten lassen. „Als ich gegründet habe, wurde ich vom Gründerservice der TU betreut“, sagt Glende. „Daher will ich den jetzigen Studierenden auch helfen, trotz geringer Bezahlung.“