Die Übernahme des Candy-Crush-Entwicklers King lenkt den Blick auf das deutsche Vorzeige-Start-up Wooga. Könnten die Berliner der nächste Kandidat sein?

In der Spielebranche gibt es einen weiteren Megadeal: Für 5,9 Milliarden Dollar schluckt Activision Blizzard den Londoner „Candy Crush“-Entwickler King Digital Entertainment. Im Vorjahr hatte Microsoft 2,5 Milliarden Dollar für den schwedischen Minecraft-Entwickler Mojang bezahlt. Beim finnischen Shootingstar Supercell (Clash of Clans) haben sich Softbank und GungHo aus Japan 51 Prozent der Anteile für 1,5 Milliarden Dollar gesichert.

Für die „Financial Times“ befeuert die Übernahme die Debatte, ob Europa fähig ist, langfristig unabhängige Internetunternehmen zu schaffen. Das ist auch hierzulande ein Thema, schließlich wurden in diesem Jahr mit 6Wunderkinder, Metaio und zuletzt Parstream schon drei Vorzeigestart-ups von US-IT-Riesen geschluckt.

Und auch in der Spielebranche dürften weitere Akquisitionen folgen. „Es wird eine weitere Konzentration geben“, prophezeit Wooga-Chef Jens Begemann. Schließlich hätten bei Film und Musik am Ende auch wenige Studios und Labels den Markt dominiert. Sind die Berliner vielleicht sogar der nächste Kandidat? „Es ist eine Herausforderung, zu denen zu gehören, die übrig bleiben“, erklärt Begemann.

Fünf Wooga-Spiele mit zweistelligem Millionenumsatz

Interesse gab es auch früher schon. Denn während viele Spielefirmen unter dem One-Hit-Wonder-Syndrom leiden, hat sich Wooga ganz gut etabliert. Zwar fehlt ein Welthit wie Candy Crush, Farmville oder Angry Birds. „Dafür hatten wir in den letzten sechs Jahren fünf Spiele, die jeweils mindestens einen zweistelligen Millionenbetrag an Umsatz eingespielt haben“, sagt Begemann.

Und so ist er optimistisch, weiter unabhängig zu bleiben. „Wir fühlen uns wohl als private Firma“, sagt Begemann und daran soll sich so schnell nichts ändern. Doch bräuchte das Start-up nicht langsam wieder frisches Geld? Die letzte Finanzierungsrunde ist schließlich auch schon wieder vier Jahre her. 24 Millionen Dollar hat das Unternehmen im Frühjahr 2011 von Highland Capital Partners und anderen eingesammelt, als solche Größenordnungen noch längst nicht im Wochentakt vermeldet wurden.

“Kein Bedarf nach einer Finanzierungsrunde“

Trotzdem sei auch da nichts geplant. „Aktuell haben wir keinen Bedarf nach einer Finanzierungsrunde“, sagt Begemann. Dass die letzte Runde so lange zurück liege zeige, „dass wir erfolgreich gewirtschaftet haben und unser Wachstum aus dem eigenen cash flow finanzieren konnten“.

Auch ein Börsengang sei derzeit kein Thema. Zumal sowohl Zynga als auch King die Begeisterung für Spiele-IPOs bei Anlegern nicht gerade gesteigert haben. Da das Unternehmen nicht von Quartal zu Quartal hetzen müsse, könne es auch leichter in Zukunftsthemen investieren, die kurzfristig keinen Ertrag bringen. Ein Beispiel ist die Apple Watch, die Wooga als nächste relevante Plattform ausgemacht hat.