BWL studieren und dann gründen: Das gilt in der Start-up-Szene als Königsweg. Doch es geht auch anders. Drei Nicht-BWLer erzählen.

Vielleicht liegt es an den vielen WHU-Absolventen bei Rocket Internet, aber gefühlt bestehen die deutsche Start-up-Szene vor allem aus Betriebswirten. Doch nicht nur Studierende der BWL interessieren sich für das Gründen. WirtschaftsWoche Gründer hat mit drei Jungunternehmern gesprochen, die aus ganz anderen Branchen und Fächern kommen – und trotzdem den Weg zum eigenen Unternehmen gefunden haben. Uns haben sie erzählt, wie es dazu kam und auf welche Probleme sie gestoßen sind.

Lauren Lee, Opernsängerin und Restaurantbesitzerin. (Foto: privat)

Lauren Lee, Opernsängerin und Restaurantbesitzerin.
(Foto: privat)

Lauren Lee, 35, ausgebildete Opernsängerin und Gründerin des Restaurants „Fräulein Kimchi“

Gekocht habe ich immer gerne, eine Zeit lang habe ich damit nebenher auch schon Geld verdient, während ich noch als freiberufliche Opernsängerin arbeitete. In einem Berliner Lebensmittelgeschäft gab ich Kochunterricht und das bereitete mir so viel Spaß, dass ich eines Tages beschloss, das Thema Essen zu meinem Beruf zu machen. Begonnen habe ich mit einem Streetfood-Stand, anschließend habe ich zusammen mit meinem Partner ein Restaurant eröffnet.

Dass ich auch als ausgebildete Opernsängerin und ohne wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund Erfolg haben würde, daran habe ich eigentlich nie gezweifelt.

Natürlich wäre ein gewisses unternehmerisches Wissen ab und an von Vorteil: Kalkulation, Einkaufspreise, Mehrwertsteuerberechnung, das ist nicht meine Welt. Als Künstlerin habe ich mich vor der Gründung einfach nie mit solchen Dingen beschäftigt, mich interessierte vor allem das Kreative.

„BWLer hätten das auch nicht besser hinbekommen“

Als richtig tückisch und außerordentlich stressig habe ich die deutsche Bürokratie und den Papierkram erlebt – was das angeht hatte ich glücklicherweise ziemlich viel Hilfe von Kollegen aus dem Streetfood-Bereich. Der Rest war „Learning by doing“.

Rückblickend denke ich, wäre es sinnvoll gewesen ein Gründungsseminar zu besuchen, doch selbst wenn ich mich jetzt einige Wochen von meinem Geschäft freistellen würde, würde ich die Zeit nicht nutzen, um an meinen BWL-Kenntnissen zu arbeiten, zum Beispiel in Form eines Crashkurses. Ich würde mich stattdessen als Praktikant in einer tollen Küche irgendwo auf der Welt arbeiten, denn der Erfolg meines Restaurants beruht am Ende sicherlich auf dem Essen und nicht auf meinen Kenntnissen in Sachen Marketing oder Buchführung.

Vor Kurzem haben wir sogar die TV-Show „Restaurant Start-up“ gewonnen und wurden von der Jury vor allem für unser Konzept, das Essen und die Marktfähigkeit gelobt – ich zweifle stark daran, dass ein BWLer das besser hinbekommen hätte als wir.