Zwei Finanzierungsrunden: Es läuft gut für Hardware-Start-ups aus Deutschland. Und endlich gab es auch eine Erklärung, warum Hellofresh doch nicht an die Börse ging.

In den meisten deutschen Städten haben in dieser Woche die Weihnachtsmärkte eröffnet; in den Einkaufsstraßen wird es voller. Aber auch das Online-Shopping boomt: 2014 kaufte knapp jeder zweite Deutsche im Netz – es ist zu vermuten, dass diese Zahlen in diesem Jahr noch angestiegen sind. Deshalb bereiten sich nicht nur die großen Konzerne wie Karstadt oder Amazon auf eine anstrengende Weihnachtszeit vor, auch kleinere Start-ups beginnen teilweise schon im Juni damit, sich auf die besinnliche Zeit und den Ansturm der Kunden vorzubereiten. Beim Kunst-Start-up Juniqe starten die Vorbereitungen im Juli, beim Parfümportal Unique Fragrance schon seit Juni. Dem Ansturm zum Christfest setzen die jungen Firmen Zeitarbeiter und Wettbewerbe entgegen. Mit den riesigen Umsätzen, die die Weihnachtszeit den Start-ups traditionell beschert, dürfte der Stress aber spätestens zu Jahresende in Freude umschlagen.

Eine Finanzierungsrunde gab es in dieser Woche gleich bei zwei Start-ups: Das Medizintechnik-Unternehmen Bomedus und die Energie-Firma Sunfire konnten je mehrere Millionen Euro an Finanzierung einsammeln. Bemerkenswert, gelten Hardware-Firmen doch traditionell als eher unbeliebte Investments, weil sie anders als E-Commerce-Modelle nicht so schnell skalieren. Die neue Investitionslust beschränkt sich übrigens nicht nur auf spezielle Hardware-Produkte: Laut einer Studie ist es für Gründer generell einfacher geworden, an Geld zu kommen. So werden jetzt erste größere Investmentfonds aufgelegt. Man darf sagen: Wurde auch mal Zeit.

Anfang November wollte Hellofresh an die Börse gehen, eine Bestätigung der Gerüchte, die schon lange durch die Start-up-Szene waberten: Dann die überraschende Absage. Mit dem Kochbox-Abodienst wollte Rocket Internet schließlich eine seiner größten Start-up-Hoffnungen auf das Frankfurter Parkett bringen und ein Versprechen von Ende September einlösen, binnen der nächsten 18 Monate eines seiner Unternehmen börsentauglich zu machen. Die Absage erfolgte mit Blick auf die “Marktvolatilität” – ein besseres Marktumfeld sollte abgewartet werden, schließlich sei das Unternehmen nach einer Finanzierungsrunde im September noch gut aufgestellte, teilte damals eine Sprecherin mit. Ein anderer Grund wurde erst in dieser Woche bekannt: Nach Recherchen der WirtschaftsWoche waren die hohe Preisvorstellung von Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer das Problem. Samwer strebte einen Unternehmenswert jenseits von 3,3 Milliarden Euro an. Bei der letzten Finanzierungsrunde des Kochboxenversenders Ende September lag die Bewertung allerdings erst bei rund 2,6 Milliarden Euro.

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