Während des Poststreiks sah sich das Kölner Start-up Studimed in seiner Existenz bedroht – und klagte auf Herausgabe. Wie es weiter ging.

Als die Post im Sommer unbefristet streikte, erhielt auch Hendrik Loll, Gründer und Geschäftsführer von Studimed über Wochen keine Post mehr. Das war nicht nur ärgerlich, sondern auch geschäftsbedrohend Lolls Agentur vermittelt Studienplätze für Human-, Zahn- oder Tiermedizin in Osteuropa und hilft bei der Wohnungssuche oder auch bei der Eröffnung eines Kontos im Ausland. Damals waren Bewerbungsfristen von zwei Universitäten einzuhalten, und das Start-up auf eine zuverlässige Post angewiesen. Doch die liefert wichtige Anträge und Bewerbungsunterlagen aufgrund des unbegrenzten Streiks nicht mehr rechtzeitig aus.

Loll zog vor Gericht und wollte per einstweiliger Verfügung die Herausgabe liegengebliebener Postsendungen erzwingen. Im Eilantrag, der WirtschaftsWoche Gründer damals vorlag, heißt es: „Ich habe großen Respekt vor dem Grundrecht auf Arbeitskampf. Nur wird die Sache nun unmittelbar wirtschaftlich problematisch und droht, existenzgefährdende Dimensionen zu erhalten.“

Das Gerichtsverfahren haben Loll und sein Team damals verloren “und die Verzögerung des Posteingangs hat uns erheblich belastet”, sagt der Gründer. “Anfang Juli war ja dann der Poststreik zu Ende, und ab da haben wir auch nach und nach die alte Post erhalten. Wir mussten noch eine zusätzliche Kraft beschäftigen, um die Rückstände aufzuarbeiten”, sagt er. Aber er glaube nicht, dass Kunden verloren gegangen sind. “Das liegt auch daran, dass wir einen Mitarbeiter entsandt haben, um mit allen wichtigen Universitäten persönlich zu sprechen, um eine Verlängerung für die Bewerbungsfristen zu erlangen, wo das notwendig war.”