Es war einer der größten Exits des Jahres: der Verkauf von Runtastic an Adidas. Wie es für die österreichische App danach weiterging.

Wenn man Florian Gschwandtner fragt, was sich eigentlich seit dem Einstieg von Adidas verändert hat, dann sagt er: „Gar nichts.“ Es ist ein Punkt, der dem Runtastic-Gründer wichtig ist. Er erzählt, dass niemand von Adidas nun bei ihnen im Büro sitze. Dass man „agil und dynamisch“ bleiben wolle. Dass man genauso weiterarbeite wie vorher.

Das mag stimmen. Aber ein bisschen hat sich seit August natürlich schon verändert. Auch wenn die Arbeitsweise gleich geblieben ist, so hat ein großer Betrag von einem auf das andere Konto gewechselt, man spricht von 220 Millionen Euro. Runtastic ist jetzt nicht mehr ein Start-up aus Österreich, sondern gehört zu einem der größten Sportkonzerne der Welt. Man spricht nun nicht mehr von einer Läufer-App, sondern von einer Erfolgsgeschichte. Und die Perspektiven, das sagt sogar Gschwandtner, die haben sich auch verändert.

„Natürlich sind wir jetzt Teil eines großen Ganzen und dürfen deshalb auch noch größer und breiter denken“, sagt er gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Darauf freue er sich 2016 ganz besonders. Im November hat das Start-up bereits seine neue App Runtastic Results, die Übungen mit dem eigenen Körpergewicht vereinfachen soll, vorgestellt. Im nächsten Jahr soll alles „noch besser werden“, so Gschwandtner. Mittel- und langfristig soll es auch um Produktintegrationen gehen, darum, von den neuen Kontakten zu profitieren. Aber man habe keine Eile damit.

Ein „guter Fit“

Geplant hatte Runtastic den Exit nicht. Eine Weile stand die App sogar ganz ohne Investor da. Stattdessen arbeitete Gschwandtner an der Universität, um das dort verdiente Geld in sein Start-up stecken zu können. Dass er sich schließlich für den Verkauf entschied, beschreibt er so: „Wenn eine Firma wie Adidas an die Türe klopft, dann hört man sich das schon an“, sagt der Gründer. Mit Adidas habe es einfach einen „perfekten Fit“ gegeben.

Dass sich Gschwandtner der Veränderung durchaus bewusst ist, lässt er an einer Stelle auch auf der Münchner Gründerkonferenz „Bits & Pretzels“ durchblicken. Als Start-up sei es wie in einem Paddelboot, sagt er. „Du kannst jede Menge ausprobieren, aber es ist etwas langsam.“ Jetzt wolle Runtastic zu einem Speed-Boot werden – nicht zu einem großen Tanker. „Das ist die Herausforderung beim Wachstum.“