Wegen Fehlern in einem Artikel legte sich das Start-up mit der Stiftung Warentest an. Wir haben nachgefragt, wie der Streit für Posteo ausging.

Eigentlich hatte sich Sabrina Löhr gefreut, als sie im Februar hörte, dass sie mit ihrem Start-up Posteo bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest gut abgeschnitten hatte. Lange hielt das Glücksgefühl allerdings nicht an: Als sie das Magazin las, stellte sie zwar fest, dass es Posteo mit einem anderen Wettbewerber auf Platz eins geschafft hatte – gleichzeitig hatten sich aber auch mehrere Fehler in den Text eingeschlichen.

Die Liste reichte von einzelnen Formulierungen wie „Nur einer liest nicht mit“ (obwohl es zwei Testsieger gegeben hatte) bis hin zur falschen Darstellung der Zwei-Faktor-Authentifizierung bei Posteo. Für das 2009 gegründete Start-up bedeutete der Artikel etliche Nachfragen von Kunden. „Das war für uns schwierig – die Verbraucher vertrauen natürlich erstmal der Stiftung Warentest“, sagte Löhr damals. Die Gründer selbst mussten reagieren, auch um dieses Vertrauen zurückzugewinnen: Sie schrieben Blogeinträge, in denen sie detailliert die Mängel des Textes anprangerten; schließlich griffen auch Medien den Fall auf.

Der Artikel zeigte sich tatsächlich in so vielen Punkten fehlerhaft, dass die Stiftung Warentest den Verkauf des Heftes nicht nur stoppte, sondern auch in ihrer nächsten Ausgabe eine dreiviertel Seite an Richtigstellungen druckte. Das Institut sprach auch mit den Posteo-Gründern, allerdings konnten die Fehler im Einzelnen nicht aufgeklärt werden, da der Verifzierer, einer derjenigen, der den Artikel kontrollierte, damals in Neuseeland war.

„Mitarbeiter redeten aneinander vorbei“

Inzwischen gibt es bei der Stiftung Warentest etwas mehr Klarheit. „Wenn einmal der Wurm drin ist, dann richtig, und so war es leider bei dieser Untersuchung“, sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Es habe sich bei den Fehlern um „Kommunikationsprobleme mit dem Prüfinstitut“ gehandelt, „das von einem anderen Kompetenzlevel der Nutzer ausgegangen war als wir – das führte zu missverständlichen Formulierungen“.

Auch intern habe es Kommunikationsprobleme gegeben. „Mitarbeiter sprachen über den vermeintlich gleichen Sachverhalt, redeten aber tatsächlich aneinander vorbei“, sagt die Sprecherin weiter. Zudem sei der Artikel sehr spät noch einmal korrigiert worden, ohne dass alle Beteiligten ihn noch einmal zu Gesicht bekamen.

Die Stiftung hat ihre Konsequenzen aus dem Desaster gezogen und ihre internen Prüfungen um „wichtige Standardpunkte“ erweitert. So müssen späte Änderungen nun mit allen Beteiligten – vom Prüfinstitut bis zum Verifizierer – abgestimmt werden, die Untersuchungen basieren zudem nicht mehr nur auf den Testergebnissen, sondern auch auf weiteren Informationen.

Für Posteo ist das Thema bis heute aktuell geblieben. „Wir erhalten immer noch vereinzelt Anfragen, die sich auf den Test beziehen“, sagt Gründerin Löhr. „Mehr als 400.000 gedruckte Exemplare mit Falschdarstellungen sind eben nicht so schnell aus der Welt.“ Es sei ein Problem, dass zwar ein korrigierter Testartikel online stehe, aber die „konkreten Richtigstellungen“ weiterhin nur in der gedruckten Ausgabe stünden.