Für die Rocket-Aktie war 2015 kein gutes Jahr: Zwischenzeitlich halbierte sich der Wert des Papiers. Warum es nun besser werden könnte – und wie sich andere Start-ups schlugen.

Als Rocket Internet im Oktober 2014 an die Börse ging, da hofften einige Beobachter auf einen Neuen Markt 2.0, auf eine Schwemme an Start-up-IPOs. Für sie dürfte das Jahr 2015 eine Enttäuschung gewesen sein – nicht nur, weil deutlich weniger Jungunternehmen als erwartet an die Börse gingen, sondern weil auch Rocket Internet nicht überzeugen konnte.

Dabei hatte alles so gut angefangen: Der Aktienkurs stieg zu Jahresanfang auf ein Hoch von 57,50 Euro. Die Euphorie, die sich einige Gründer und Investoren gewünscht hatten, sie war vorhanden. Dass sie abrupt endete, lag auch an den Entscheidungen des Inkubators: „Dass der Kurs so stark gefallen ist, liegt unter anderem auch daran, dass das Management im ersten Jahr nach dem Börsengang bereits zwei weitere Kapitalaufnahmen vollzogen hat“, sagt Lucas Boventer, Analyst bei Warburg Research, zu WirtschaftsWoche Gründer. Im Februar hatte Rocket Internet durch eine Kapitalerhöhung 600 Millionen Euro an frischem Kapital eingesammelt.

Das sei „überraschend“ gewesen, weil die Start-up-Schmiede nach dem IPO gesagt habe, sie habe erst einmal genügend Geld für die nächste Zeit. „Die Kapitalerhöhung hat bei den Investoren Zweifel geweckt, dass die Portfolio-Unternehmen vielleicht nich nicht so weit sind“, so Boventer. Es habe auch die Frage aufgeworfen, wofür das Unternehmen so viel Geld brauche. Mit der Entscheidung im Juni, eine Wandelanleihe in Höhe von 550 Millionen Euro aufzulegen, belastete Rocket Internet den eigenen Aktienkurs erneut. Zwischenzeitlich sank der Kurs auf 21,03 Euro – nicht einmal mehr die Hälfte des Jahresanfangswertes.

Nicht genügend Transparenz

Und als sich die Aktie im Oktober gerade auf Erholungskurs befand, gar wegen der Ankündigung des Börsengangs von Rocket-Schützling Hellofresh wieder zaghaft an Höhe gewann, da machte Rocket Internet die Bewertung des Start-ups einen Strich durch die Rechnung. „Für eine solch hohe Bewertung fehlte vielen Investoren die nötige Transparenz bei wichtigen Leistungskennzahlen“, meint Boventer. Hellofresh, im Februar noch mit rund 600 Millionen Euro bewertet, wurde von der Start-up-Schmiede nach einer Riesenfinanzierung im Sommer plötzlich mit 2,6 Milliarden Euro beziffert. Um eine solche Zahl zu rechtfertigen, habe man nicht genügend Transparenz an den Tag gelegt, so Experte Boventer. Nur wenige Tage nach der Ankündigung verschob das Kochbox-Start-up seinen IPO auf Januar 2016.

Doch wo steht der Kurs heute – und wo könnte er in Zukunft liegen? Ende des Jahres 2015 pendelte sich die Aktie bei 30 Euro ein. Boventer glaubt allerdings, dass sich dieser Wert noch weiter erhöhen könnte. „Nicht jedes Unternehmen wird langfristig fliegen, aber mit Delivery Hero, Westwing, Home24, Lazada und auch Hellofresh hat Rocket Internet einige vielversprechende Beispiele im Portfolio“, so der Analyst. Sollte die Start-up-Schmiede ihre neun Versprechen halten können, dass etwa der Verlust-Zenit erreicht ist, und dass in den kommenden Monaten einer der „Proven Winners“ profitabel wird, so dürfte das auch der Rocket-Aktie einen Schub geben. Dass die Start-up-Schmiede diese Ziele erreichen kann, daran zweifelt Analyst Boventer nicht. „Rocket Internet hat seine Pläne eher konservativ ausgelegt“, meint er.

Auch wenn sich vieles in der Start-up-Szene auf Rocket konzentriert, so blieb die Start-up-Schmiede 2015 nicht allein an der Börse: Das Onlineportal Windeln.de folgte im Mai, im November ging auch die German Start-ups Group an die Börse. Allerdings musste die Plattform für Babyartikel nach dem IPO einige Einbußen verzeichnen. Lag der Ausgabepreis von Windeln.de noch bei 18,50 Euro, so fiel der Kurs seitdem um fast ein Drittel.

Auch für die German Start-ups Group lief es nicht ganz rund: Sie musste ihren Börsengang erst absagen und dann zu einem deutlich niedrigeren Preis als geplant an die Börse gehen – und ohne Kapitalerhöhung. Immerhin hat sich das Papier seitdem positiv entwickelt, steht derzeit mit 14 Prozent im Plus. Das sei zwar eine gute Performance. Doch auf eine Stufe mit Rocket Internet will Lucas Boventer die German Start-ups Group trotzdem nicht stellen. Der Berliner Investor beteilige sich an Unternehmen, die Samwersche Start-up-Schmiede sei hingegen eher ein Company Builder. „Das kann man nicht miteinander vergleichen“, so der Analyst.