Ob Start-ups, Unternehmen oder die Politik: Netzwerktypen tummeln sich auf jedem Event – woran sie zu erkennen sind.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Tijen Onaran. Sie ist Leiterin Kommunikation beim Händlerbund. Zudem ist sie Initiatorin von „Women in E-Commerce“, einem Netzwerk für Frauen aus der E-Commerce Branche. Vor ihrer Anstellung beim Händlerbund war Onaran in unterschiedlichen Positionen für Europa- und Bundestagsabgeordnete sowie im Bundespräsidialamt tätig und danach Leiterin Kommunikation an der Quadriga Hochschule Berlin.

Der Alles-Könner

Überflieger im Job und im Urlaub geht’s alleine, inklusive Rucksack und der Canon nach Asien, Reparieren kann er auch; und als wäre das alles nicht genug, ist er dabei auch noch einfach sympathisch. Gut angezogen ist er natürlich ebenfalls. Wie macht er das bloß? Der Alles-Könner kann einfach alles. Neben dem Alles-Könner sieht das eigene Leben immer blass und uninspiriert aus, der letzte Urlaub erscheint auf einmal wie ein Ausschnitt aus einem Rosamunde-Pilcher-Streifen, inklusive schlecht synchronisierter Szenen und der einzige Rucksack, der zu Hause auf euch wartet, ist ein Werberucksack. Nach dem Gespräch mit dem Alles-Könner nehmt ihr euch innerlich vor, gleich morgen zumindest die Canon zu kaufen – der Alles-Könner weiß natürlich direkt, wo es die Besten gibt.

Der Entertainer

Schon im Aufzug unterhält der Entertainer „sein“ Publikum. Ob es die persönliche Anekdote ist, ein flotter Spruch über das anstehende Event oder die Einladungskarte. Irgendwas gibt es immer zu kommentieren. Der Entertainer ist der Jan Böhmermann oder die Barbara Schöneberger des Events. Lustig ist es in jedem Fall immer und selbstironisch auch. An seinem Stehtisch gibt es kaum noch Platz und das eigentliche Event spielt sich dort ab. Bei der offenen Fragerunde ist der Entertainer der erste, der vom Moderator aufgefordert wird Fragen zu stellen. Das tut der Entertainer auch, stellt aber keine Frage, sondern kommentiert. Und wie? Unterhaltsam natürlich!

#Der Onliner

Offline Events sind eigentlich nicht wirklich sein Ding. Aber manche Events gehören nun mal zum guten Ton. Da fasst sich der Onliner ein Herz und schaut vorbei – ausgerüstet mit Smartphone und allen Apps, die es zum Sharen, Liken, Retweeten und Favorisieren braucht. Während des Events übernimmt der Onliner die Kommentatorenrolle, ohne Box, dafür mit Hashtags und wenn es noch keinen speziellen für das Event gibt, entwirft er einen. Er ist der Wortgeber im Netz und vernetzt sich schnell mit den Event-Teilnehmern, wenn er im Netz nicht sowieso schon mit ihnen verbunden ist. Der Onliner wird zum Agenda-Setter des Events im Netz und kann euer Event in die (digitale) Geschichte eingehen lassen; im Idealfall positiv! Für die Event-Organisatoren ist der Onliner damit wichtiger denn je.

Der Gernegroß

Auch allen Veranstaltungen präsent und er kennt sie alle. Natürlich duzt er alle und mit dem Keynote-Speaker war er letztens erst Laufen – was selbstverständlich „hammer gut“ war. Und wenn er sie nicht kennt, dann kennt er zumindest jemanden, der den kennt. Scheinbar. Steht man neben dem Gernegroß wird schnell klar, dass er den Leuten, die er angeblich kennt, erstmal auf die Sprünge helfen muss, woher man sich eigentlich kennt. Der Gernegroß will eben gerne mitspielen, darf es aber aus ihm unerklärlichen Gründen einfach nicht. Das stört ihn aber auch gar nicht, denn am nächsten Tag postet er auf Xing, dass er die 1000er Marke bei den Kontakten geknackt hat – ist doch „hammer gut“!