Wer gründet, bewegt und berührt. Gründen ist nie frei von Emotionen oder Meinung. Doch wie politisch ist Gründen? Oder ist Gründen die neue Politik? Eine Kolumne.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt zum ersten Mal Tijen Onaran. Sie ist Leiterin Kommunikation beim Händlerbund. Zudem ist sie Initiatorin von „Women in E-Commerce“, einem Netzwerk für Frauen aus der E-Commerce Branche. Vor ihrer Anstellung beim Händlerbund war Onaran in unterschiedlichen Positionen für Europa- und Bundestagsabgeordnete sowie im Bundespräsidialamt tätig und danach Leiterin Kommunikation an der Quadriga Hochschule Berlin.

Von Tijen Onaran

Durch meinen Job als Kommunikationsleiterin beim Onlinehandelsverband Händlerbund habe ich jeden Tag mit Gründerinnen und Gründern zu tun. Ob es der einzelne Ebay- oder Amazon-Händler ist, der mit Leidenschaft die Neuerungen der Marktplätze begleitet und den Online-Handel wie kein anderer lebt, oder ob es der Unternehmer ist, der (s)eine Idee realisiert und ein Start-up gründet. Sie alle vereint die Idee, eigenverantwortlich zu handeln.

Gestaltungswille, Mut und Disziplin – die neuen Keywörter für Politik

Wer gründet, hat eine Idee und will gestalten. Der Wille, zu realisieren und zu prägen, zu bewegen und Verantwortung zu übernehmen, ist sicherlich einer von vielen wichtigen Faktoren auf dem Weg zum eigenen Unternehmen. Und wie ist es in der Politik? Auch da ist klar, wer politisch aktiv wird, will etwas bewegen, Ideen realisieren und Verantwortung übernehmen. Dafür braucht es auch eine Portion Mut.

Den Schritt zu gehen und Teil einer (etablierten) Partei zu werden, fordert das eigene Selbstvertrauen heraus. Auch Gründerinnen und Gründer brauchen Mut. Mut, die Idee vom zukünftigen Unternehmen nach außen zu tragen, andere zu begeistern und vorhandene Sicherheit(en) einzutauschen gegen Fragezeichen. Und schließlich braucht es Disziplin. Gerade auch an den Tagen, an denen es mehr Frage- als Ausrufezeichen gibt, machen Gründerinnen und Gründer weiter. Und auch politisch Aktive brauchen Disziplin, um das hohe Arbeitspensum und den Druck zu meistern.

Achtung, liebe Politik

Politik und Gründen haben also viel gemeinsam. Und gerade deshalb ist es wichtig, dass Gründen nicht als Modephänomen für Wahlkämpfe genutzt wird, sondern immerzu ein wichtiges Thema auf der politischen Agenda bleibt. Die aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft herausgefunden, dass die Zahl der Unternehmensgründungen in den letzten zehn Jahren um mehr als 40 Prozent gesunken ist.