Risikokapitalgeber lieben die deutsche Hauptstadt: Im Kampf um Finanzierung kann Berlin an London vorbeiziehen.

Dass Berlin zum Herz der europäischen Start-up-Szene mutiert, überrascht nach den jüngsten Studien kaum noch. Mit dem Nokia-Deal aber hat die deutsche Hauptstadt einen weiteren Schritt in die Richtung europäische Tech-Metropole gemacht, analysiert die Onlineplattform „Politico“.

Bisher konnte sich zwar London meistens noch vor der deutschen Hauptstadt positionieren – gerade, wenn es um das Finanzielle ging. Doch auch diese Vorzeichen ändern sich. 2014 war das zweite Jahr in Folge, in dem Risikokapitalgeber mehr Geld in Berlin (zwei Milliarden Euro) investierten als in London (1,4 Milliarden Euro). Im ersten Halbjahr 2015 liegen die beiden Hauptstädte noch gleich auf, wie „Politico“ unter Berufung auf Dow Jones VentureSource berichtet. London hat allerdings leicht die Nase vorn.

Und Berlin profitiert von der Start-up-Szene. Diese Ansicht ist inzwischen auch in der Politik angekommen. „Die boomende Start-up-Szene ist eine der treibenden Kräfte hinter Berlins derzeitiger wirtschaftlicher Erfolgsgeschichte“, lässt sich Cornelia Yzer, die Berliner Wirtschaftssenatorin, bei „Politico“ zitieren.

Wirtschaftsfaktor Start-up

Denn die Start-up-Szene wird für die Hauptstadt zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor. Einer von acht Arbeitsplätzen wird in Berlin heute von einem Start-up geschaffen, gerade in der digitalen Industrie. Insgesamt beschäftigt sie mehr als 62.000 Menschen und macht damit 3,5 Prozent der Berliner Arbeitskraft aus. Der klammen Berliner Staatskasse spült dieser Boom 3,9 Milliarden Euro jährlich in die Kassen. Und jedes Jahr kommen zudem 500 neue Tech-Start-ups nach Berlin.

Experten wie der Risikokapitalgeber Ciaran O’Leary von Earlybird sehen die deusche Hauptstadt sogar noch am Anfang. „Was wir jetzt sehen, ist das Ergebnis von Berlins ersten Babyschritten“, sagt er. Was man jetzt beobachte, sei erst die erste Welle von Berliner Start-ups. Ob aus der Welle eine Erfolgsgeschichte werde, dafür brauche es aber insgesamt sechs bis zehn Jahre.

Noch ist die Start-up-Szene in der deutschen Hauptstadt zwar nicht so alt. Aber wenn sie weiter auf ihrer Gründer-Welle surft, kann sich das schon in wenigen Jahren ändern.