Zwei neue Studien zeigen, mit welchen Gründungsvorhaben sich Migranten selbstständig machen und vor welchen Schwierigkeiten sie dabei stehen.

Kürzlich habe ich in der WirtschaftsWoche darüber geschrieben, warum Migranten eine wichtige Rolle für die Gründerszene in Deutschland spielen. Hintergrund ist, dass Migranten eine deutlich höhere Gründungsneigung haben als Nicht-Migranten, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes und eine Reihe anderer Untersuchungen belegen. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt außerdem, dass Gründer mit Migrationshintergrund nicht weniger innovativ sind als Gründer ohne. Das passt nicht zu dem gängigen Klischee, wonach Migranten vor allem Obstläden oder Imbissbuden eröffnen. Dennoch – oder vielleicht deswegen – löste der Artikel mit dem Titel „Innovation statt Imbissbude“ online heftige Diskussionen aus.

Auch für Forscher ist das Thema interessant. Jetzt sind zwei neue Studien erschienen, die sich ebenfalls mit Gründungen von Migranten beschäftigen. Sie stammen von zwei Instituten, die zwar ähnlich heißen, aber voneinander unabhängig sind.

Finanzierungsprobleme als Eintrittshürde

Die eine Studie hat dieser Tage das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) veröffentlicht. Sie beschäftigt sich der Frage, vor welchen Schwierigkeiten Migranten stehen, wenn sie gründen wollen. Dazu haben die Forscher die Angaben von rund 1000 gründungsinteressierten Besuchern von Gründermessen ausgewertet, die mehrfach für das Gründerpanel des IfM befragt wurden. Hier einige Aussagen der Studie (PDF):

Laut der Studie wollen sich Gründer mit Migrationshintergrund und solche ohne im Großen und Ganzen mit relativ ähnlichen Vorhaben selbstständig machen: „Die geplanten Gründungsvorhaben von Migranten und nicht Zugewanderten unterscheiden sich ebenso wie die gegründeten Unternehmen nur geringfügig.“ Der Studie zufolge haben Gründer mit Migrationshintergrund zum Beispiel einen etwas höheren Mittelbedarf.

Gründer mit Migrationshintergrund haben laut der Studie „häufiger als nicht Zugewanderte Probleme im Finanzierungsbereich“. Zum einen fehlen ihnen oft die finanziellen Reserven, um ein Unternehmen aufzubauen. Zum anderen nehmen sie in der Vorgründungsphase seltener Fördermittel in Anspruch und erhalten seltener einen Kredit von ihrer Geschäftsbank als Gründer ohne Migrationshintergrund. „Finanzierungsprobleme verhindern oder verzögern die Gründungsumsetzung von Migranten und stellen damit eine wesentliche Eintrittshürde dar“, schreiben die Autoren. Warum das so ist, bleibt allerdings unklar. Interessant: „Ist die Gründung einmal vollzogen, sind Migranten jedoch kaum stärker mit Finanzierungsproblemen konfrontiert als nicht Zugewanderte.“

Im Handwerk und in den Freien Berufen fällt es Migranten oft schwerer, ein Unternehmen zu gründen, wenn sie die nötigen Abschlüsse nicht in Deutschland erworben haben, sondern sie hier erst in einem aufwändigen Verfahren anerkennen lassen müssen. Das kostet Zeit und Nerven – und kann laut der Studie dazu führen, dass „Migranten häufiger als nicht Zugewanderte niedrigschwellige Unternehmensgründungen im Bereich Handel und Gastgewerbe (anstreben), obwohl sie im Durchschnitt eine bessere Humankapitalausstattung mitbringen als die nicht Zugewanderten.“ Abhilfe könnte hier das „Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ schaffen, das Anfang April in Kraft tritt.

“Integration und Erfolg gehen parallel”

Fast zeitgleich hat das Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim eine Studie veröffentlicht, für die ein siebenköpfiges Forscherteam das Gründergeschehen in Baden-Württemberg detailliert ausgewertet hat.

Die Studie attestiert den gründenden Migranten ein „großes wirtschaftliches Potenzial“. Sie zeigt auch, dass die sektorale Struktur ihrer Startups heute „wesentlich breiter und auch moderner (ist) als vielfach vermutet: Insgesamt finden sich nur 29 Prozent aller Migrantenunternehmen im Gastgewerbe und Handel, und dies mit abnehmender Tendenz. Rund 17 Prozent sind dem Produzierenden Gewerbe und weitere 18 Prozent den wirtschaftsnahen Dienstleistungen zuzuordnen.“ Eine weitere wichtige Aussage der Studie: „Gesellschaftliche Integration und unternehmerischer Erfolg gehen parallel.“