Schießereien, Drogenkartelle, korrupte Polizisten: Mexiko leidet unter seinem schlechten Image. Warum das Land Start-ups Chancen bietet.

Von Caroline Biallas

Volkswagen, Bosch oder Thyssenkrupp: Deutschlands führende Industrieunternehmen haben das enorme Wirtschaftspotenzial Mexikos schon lange erkannt und sich in dem zweitgrößten Land Lateinamerikas niedergelassen. In nicht einmal zehn Jahren stieg die Zahl der Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung um rund 50 Prozent. Nun wittern auch zunehmend deutsche Einzelunternehmer die Chance, sich in dem Schwellenland mit ihrem ganz eigenen Geschäftskonzept zu verwirklichen.

Zum Beispiel Ralf Aigner. Der 34-jährige Münchner hat BWL studiert und war danach fünf Jahre als Unternehmensberater im Energiesektor tätig, bevor er Anfang 2012 nach Mexiko-Stadt ausgewandert ist und dort das Online-Start-up „Wishbird“ gegründet hat – ein Erlebnisportal, das Fallschirmsprünge, Heißluftballonfahrten und Bungeejumping anbietet. Auf Aigners Internetseite können die Events gebucht werden, ausgeführt werden sie von rund 400 lokalen Anbietern. Er sah in der Kombination aus Urlaubsland und Onlinebusiness gute Chancen.

Obwohl Mexiko kein klassisches Einwanderungsland wie etwa die USA oder Kanada ist, haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer mehr Deutsche in dem Land niedergelassen. Das hat Johannes Hauser, Geschäftsführer des deutschen-mexikanischen Industrie- und Handelskammer (Camexa), beobachtet. Für ihn hat das einen simplen Grund: Im Zuge der Firmenniederlassungen von Bosch, VW und Co. seien viele deutsche Mitarbeiter ins Land gekommen – und hätten nach kurzer Zeit Gefallen an der mexikanischen Lebensart und Mentalität gefunden. Er schildert den für ihn klassischen Fall: „Die Deutschen arbeiten ein paar Jahre bei einer Firma, lernen dann eine mexikanische Frau kennen, gründen eine Familie hier und machen sich dann im Land selbstständig.“

Warum ist ausgerechnet Mexiko so attraktiv für junge Unternehmer?

Mehrere günstige Faktoren kommen zusammen, die das Land wirtschaftlich spannend machen, erklärt Sigrid Arteaga von der Mexikanischen Botschaft in Berlin: Das Land ist mit der Nähe zu den USA und den zwei Ozeanküsten geographisch optimal gelegen. Zudem sei Mexiko ein sehr junges Land mit vielen Menschen im erwerbsfähigen Alter. Im Durchschnitt ist die Bevölkerung nur 27,4 Jahre alt, so die demografische Prognose für 2015. Weitere Gründe: Mexiko ist G20-Mitglied und durch zwölf Freihandelsabkommen mit 45 Staaten verbunden. 2012 war das Land Mitgründer der Pazifik-Allianz, einer eigenen Freihandelszone für Lateinamerika.