In drei Tagen von der Idee zur Firma: Die Veranstaltung Start-up Weekend will zum Gründen animieren. Wie das funktioniert, hat unsere Autorin ausprobiert.

Die Kehrtwende vollziehen wir um 10.56 Uhr. Seit Freitagabend sitzt unser Team an LifeWeeks, einer App für die eigene Work-Life-Balance. Wir haben einen Businessplan erstellt, wir haben Menschen auf der Straße befragt, wir haben eine Präsentation vorbereitet. Doch als Christian, unser Designer, am Sonntagmorgen hereinkommt, äußert er Zweifel an unserem Produkt. „Wir entwickeln nichts, was man braucht, sondern ein Nice-to-have“, sagt er.

Er bringt auf den Punkt, was wir schon im Laufe des Samstags gemerkt, aber nicht ausreichend hinterfragt haben: Wenn wir unsere Idee präsentieren, gibt es erst einmal wahnsinnig viel Erklärungsbedarf – und dann die Frage, wofür man das eigentlich braucht. Unser Team – Master-Student Fabian Koglin, Dolmetscher Pavel Sirotkin, Designer Christian Benedict und ich – benötigt einen neuen Einfall, einen neuen Weg. Das ist plötzlich klar. Sind wir sonst eine eher ruhige und ausgeglichene Gruppe, zerrt die Skepsis unserer eigenen Idee gegenüber nun an unseren Nerven. Als das Team, mit dem wir uns den Raum teilen, auch noch laut wird, ruft Fabian: „Leute, geht’s noch?“ Wir versuchen, uns zu konzentrieren, wir diskutieren, wir brainstormen. Wir wollen die Idee retten, Christian hat gestern schließlich noch die Grafiken gebaut. Doch wie? Wir haben weder eine klare Zielgruppe noch ein sich selbsterklärendes Produkt.

„Ich würde die Audience auch bullshitten“

Die Initialzündung kommt von Pavel. Er berichtet davon, wie er sich während seiner Promotion die Zahl der Seiten, die er schrieb, in einer Excel-Tabelle eintrug, um seinen Fortschritt sehen zu können. „Dann machen wir ein Programm nur für Studenten“, sage ich. Und plötzlich ist da eine neue Idee: eine App, mit der Studenten nachverfolgen können, wie viel sie schon für langfristige Projekte wie ihre Hausarbeit, ihre Bachelorarbeit oder auch ihren Doktor gemacht haben.

Und plötzlich ist auch klar: Das ist nicht mehr LifeWeeks, sondern ein neues Projekt. Wir stimmen ab: Sollen wir an LifeWeeks festhalten? Oder sollen wir uns an der neuen Idee probieren? „Ich würde die Audience auch mit LifeWeeks bullshitten“, sagt Fabian und grinst breit. Aber wir sind uns alle einig: Wir wollen die Studenten-App. Es ist 10.56 Uhr. Wir haben noch fünf Stunden und 34 Minuten bis zum Pitch – und nichts vorzuweisen außer einer Idee.

Die Idee hinter dem Start-up Weekend ist eigentlich genau das: in kurzer Zeit aus einer Eingebung ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Die durch Sponsoren finanzierte Veranstaltung kommt ursprünglich aus den USA, findet aber auch in Deutschland immer mehr Anklang. Am Wochenende fand sie erstmals in Düsseldorf statt, im Haus der Universität, mitten in der Fußgängerzone. Als Geldgeber konnte das Organisationsteam rund um Peter Hornik vom Düsseldorfer Inkubator 1stMover neben der Heinrich-Heine-Universität die Stadt Düsseldorf und die Stadtsparkasse Düsseldorf gewinnen. Insgesamt sind 110 Teilnehmer gekommen, die Tickets kosten zwischen 50 und 70 Euro. Moderator Markus Schranner formuliert es so: „Ihr müsst verrückt sein, wenn ihr Geld dafür bezahlt, um ein Wochenende zu arbeiten.“ Vom Studenten bis hin zum Festangestellten, vom Wissenschaftler bis hin zum Selbstständigen – die Teilnehmer in Düsseldorf kommen aus allen möglichen beruflichen Ecken.