Der Start in das neue Jahr lief für einige Start-ups gut, für andere nicht. Was das Jahr 2016 für die Szene generell bringen wird.

Von Louisa Riepe

Michael Schefczyk ist Professor für Entrepreneurship und Innovation an der Technischen Universität Dresden. Seinen Studenten bringt der 48-Jährige bei, wie man ordentliche Businesspläne schreibt und auf originelle Geschäftsideen kommt. Für WiWo Gründer wagt er einen Ausblick in das Start-up Jahr 2016.

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Schefczyk, wenn man auf das neue Jahr vorausblicken will, kommt man nicht darum herum zuerst das alte zu beurteilen. Deshalb die Frage: Wo steht die deutsche Gründerszene zum Jahreswechsel?

Michael Schefczyk: Grundsätzlich war es ein gutes Jahr. Die Stimmung war gut und es ist vielleicht auch mehr dabei heraus gekommen als in den beiden Jahren zuvor. Auf der anderen Seite muss man aber auch den internationalen Vergleich sehen. Ein Indikator kann da sein, wie viele Venture Capital Aktivitäten, also Frühphasenfinanzierungsaktivitäten gemessen am Bruttoinlandsprodukt, passieren. Da sind wir etwa um einen Faktor 2 oder mehr hinter diesbezüglich führenden Volkswirtschaften wie den USA oder Großbritannien zurück. Insgesamt sind wir im europäischen Vergleich höchstens Mittelmaß. Insofern: Im Zeitvergleich war 2015 ganz okay, im internationalen Vergleich nicht.

Was sind die Gründe für das schlechte Abschneiden?

Das liegt gerade im Technologie-Bereich sicherlich nicht daran, dass das Innovationspotential etwa in Großbritannien grundsätzlich höher ist als in Deutschland. Hier zu Lande herrscht einfach noch zu viel Zurückhaltung. Wir werden hierzulande in Zukunft wohl noch stärker aktiv werden müssen. Das wäre aus meiner Sicht zumindest sehr wünschenswert.

Von wem genau wünschen Sie sich mehr Aktivität: Von Gründern, Politikern, Bildungseinrichtungen?

Ich fürchte, es ist kein „entweder oder“. Es ist ein „sowohl als auch“. Einerseits müssen potentielle Investoren aktiver werden. Wir haben ein Niveau extrem niedriger Zinsen. Ich verstehe nicht ganz warum sich der Mangel an Anlagealternativen nicht auch positiv auf die Frühphasenfinanzierung junger Unternehmen auswirkt. Der andere Punkt ist der Staat. Man muss sich bei stark regulierenden Gesetzen immer wieder überlegen, dass man da jungen Unternehmen nicht zu sehr auf die Füße tritt. Und zum dritten ist es natürlich auch die Aktivität von Gründern, die man noch weiter verstärken könnte. Die Demografie spielt uns da nicht gerade in die Hände: Hochqualifizierte Personen werden am Markt knapper, die Möglichkeiten für Angestellte werden besser.

Also lässt das Start-up Jahr 2015 noch Luft nach oben für 2016?

Es wird nicht von allein passieren, aber wir müssen uns strecken, damit es weitere Steigerungen gibt. Wir können uns nicht zufrieden ausruhen.