Startup ist nicht gleich Startup: Je innovativer, umso schneller das Wachstum und umso größer der Kapitalbedarf. Das hat der Deutsche Startup Monitor 2013 ergeben, den der Bundesverband Deutsche Startups und die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin heute in Berlin vorstellen.

Just als Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler mit einer Gründer-Delegation im Mai durch das Silicon Valley reiste und das Ziel beschwor, die Zahl der Internet-Startups bis 2020 zu verdoppeln, da stellte die KfW Bank in Deutschland ihren neuen Gründungsmonitor vor. Der Gründungsmonitor erfasst Jahr für Jahr das Gründergeschehen der Republik – und wie schon in den vergangenen Jahren gab er wenig Anlass für Optimismus: Zwar ist der Anteil der sogenannten Chancen-Gründer, die nicht aus der Not heraus gründen, von 35 Prozent im Jahr 2011 auf 47 Prozent 2012 gestiegen. Aber insgesamt machten sich 2012 nur 775.000 Menschen selbstständig – so wenige wie nie, seit der Gründungsmonitor im Jahr 2000 erstmals erhoben wurde.

Rösler ließ das relativ kalt: Auf die Zahlen angesprochen signalisierte er, dass es ihm und seiner Politik vor allem um innovative Startups geht. Dazu passt, dass die aktuelle Bundesregierung in der laufenden Legislaturperiode zwar einerseits den Gründungszuschuss gekappt hat, andererseits aber Geld in die Hand genommen hat, um Investments von Privatinvestoren zu bezuschussen und innovativen Entrepreneuren beim Sprung über den Atlantik und der Expansion in den USA zu helfen.

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Jung, wachsend, innovativ
Was genau unter Startups in diesem Sinne zu verstehen ist, hat jetzt der Bundesverband Deutsche Startups (BVDS) zusammen mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin in seinem „Deutschen Startup Monitor“ definiert. Die Studie, die der Verband heute in Berlin vorgestellt hat, soll in Zukunft jährlich erscheinen und der „jungen, aber stark wachsenden deutschen Startup-Szene Gehör verschaffen“.

Dafür zieht die Studie eine relative klare Grenze zu „klassischen Gründungen“. Unter Startups verstehen die Autoren Unternehmen, die ein deutliches Wachstum verzeichnen und sehr innovativ sind. Außerdem dürfen die Unternehmen bis zu zehn Jahre alt sein, um noch als Startup zu gelten – das ist eine eher weite Auslegung des Begriffs. Unterm Strich soll es 5000 solcher Unternehmen laut BVDS in Deutschland geben. Zum Vergleich: Der KfW-Gründungsmonitor zählte 2012 rund 315.000 Vollerwerbsgründer.

Der Unterschied zwischen Startups und „klassischen Gründungen“ spiegelt sich in den Ergebnissen der Studie wider: Im ersten Jahr beschäftigen sie gleich 3,6 Mitarbeiter, während klassische Gründer nur 0,8 Mitarbeiter einstellen. Hinter drei von vier Startups steckt ein Gründerteam, während klassische Gründer in vier von fünf Fällen alleine starten. Und schließlich sind 75 Prozent der Startup-Entrepreneure Hochschulabsolventen – unter den klassischen Gründern sind es nur 24 Prozent. All das ist wenig überraschend, sondern erwartbar angesichts der Startup-Definition in der Studie.

Hotspot Berlin
Spannender ist, was der Startup Monitor über Berlin aussagt. Startups in der Hauptstadt sind um etwa 50 Prozent größer und wachsen schneller als Startups im Rest der Republik. Berliner Entrepreneure planen laut der Studie doppelt so viele Neueinstellungen in diesem Jahr. Sie profitieren dabei auch von einer internationalen Geldgeberszene: Der Studie zufolge wurde jedes zweite Berliner Startup, das bereits Wachstumskapital eingesammelt hat, bei Venture-Capital-Gebern aus dem Ausland fündig. Dabei komme „mehr als dreimal so häufig Kapital aus Ländern außerhalb der EU in die Hauptstadt als in anderen Gründerregionen in Deutschland“, so die Studie. Offenbar lockt Berlin nicht nur Entrepreneure, sondern auch Investoren aus aller Welt an.

Gründerinnen sind Ausnahmeerscheinungen
In einem Punkt hinken die Startups den „klassischen Gründungen“ allerdings hinterher: Weniger als jedes achte (13 Prozent) wird von einer Frau gegründet. Zum Vergleich: Laut KfW Gründungsmonitor sind rund 32 Prozent aller Vollerwerbsgründer weiblich. Für die Autoren der Studie zu recht ein Signal, „die Startup-Szene zu motivieren vermehrt Wert auf gemischte Gründer-Teams zu legen“.

Internet als Antrieb
Ohne Internet wären viele Startups aufgeschmissen. Dass Gründer aus dem Bereich der Internet- und Kommunikationstechnologie (IKT) nicht ohne das Netz auskommen ist quasi selbstverständlich. Aber auch vier von fünf Startups, die anderen Branchen zuzurechnen sind, setzen laut der Studie mit ihrem Geschäftsmodell auf das Internet. Im Vergleich dazu spiele das Internet „nur für 49 Prozent aller Unternehmen in Deutschland eine wichtige oder zentrale Rolle“, stellt die Studie fest.

Mangelware Wachstumskapital
Gründer brauchen Geld – wenn sie innovativ sind erst recht. Der Studie zufolge hat jedes zweite Startup beim Start mehr als 50.000 Euro Kapitalbedarf. In vier von fünf Fällen sammeln die Entrepreneure dafür Geld bei Angehörigen und Freunden ein oder plündern ihre Ersparnisse. Jeder zweite findet außerdem private Eigenkapitalgeber, sogenannte Business Angels, und immerhin jedes achte stemmt die Finanzierung mithilfe von Crowdfunding. Banken spielen laut der Studie eine untergeordnete Rolle: Nur eins von fünf Startups nimmt für den Start ein Darlehen auf.

Auf Granit beißen viele Entrepreneure, wenn sie Kapital fürs Wachstum brauchen: Sieben von zehn Startups empfinden die Suche nach Wachstumskapital von Risikokapitalgebern als „schwierig“. Und selbst wenn es gelingt, einen Investor zu finden, dauert es im Schnitt 6,5 Monate, bis das Geld fließt. Der Studie zufolge zeige das den „deutlichen Nachholbedarf“, den Deutschland in punkto Wagniskapital im internationalen Vergleich habe.

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Signale für die Startup-Politik
Interessant sind die Schlussfolgerungen, die sich aus der Studie für die Gründerpolitik ergeben dürften. So erklärte fast jedes zweite Berliner Startup in der Umfrage, dass sich die Bestimmungen zur Beschäftigung von „Nicht-EU-Bürgern“ negativ auf ihre Unternehmensperformance auswirken – ein Thema, das die Gründerszene seit Monaten umtreibt. Und auch in punkto Datenschutzrecht sehen zumindest die Internet-Entrepreneure Nachholbedarf in Deutschland: Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der IKT-Gründer gaben in der Umfrage an, dass sich „die deutsche Datenschutzpraxis negativ auf ihre Performance“ auswirke.


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