Schmuddel-Image war gestern: Gründer im Sex- und Erotikbereich sind auf dem besten Weg Sexstoys & Co. salonfähig zu machen – dabei hilft vor allem der „Fifty Shades of Grey“-Effekt.

Von Kirstin MacLeod

Sie heißen Amorelie, Peppr.it, Vibraa.de und Einhorn und haben eines gemeinsam: Es geht um Sex. Innerhalb kurzer Zeit ist es diesen Start-ups gelungen, sich auf dem E-Commerce-Markt für Sex- und Erotikprodukte fest zu etablieren.

Wer sich der Branche nähern will, kommt an Lea-Sophie Cramer nicht vorbei. Die Gründerin von Amorelie, einem Online Sexshop, der sich vor allem an Frauen und Paare richtet, gilt als Vorzeige-Unternehmerin der Branche. Gemeinsam mit Sebastian Pollok gründete sie 2012 einen der ersten Online-Shops für Sexspielzeug. Damals war Cramer gerade 24 Jahre alt und hatte schon Stationen bei der Boston Consulting Group und eine Führungsposition bei Groupon hinter sich.

„Die Erklärung für den Boom im Internet in diesem Bereich wurde lange Zeit mit der Anonymität des Onlineshoppens erklärt“, sagt die Startup-Koordinatorin der IHK Berlin, Anna Berger. Denn auch im 21. Jahrhundert sei diese Thematik immer noch etwas, das die meisten im Verborgenen auslebten. „So wird dann auch das Zubehör im Verborgenen bestellt – und das Internet ist dazu der passende Vertriebskanal.“

Junge Menschen wollen sich mehr trauen – auch im Schlafzimmer. Nicht selten lassen sich dabei von Romanen wie Fifty Shades of Grey oder der ständigen Präsenz von Sex im Internet beeinflussen. Die Gründerin Cramer glaubt allerdings nicht, dass es allein der Fifty Shades of Grey-Effekt sei, der Amorelie zur Etablierung am Markt und in der Öffentlichkeit verholfen habe. Er habe aber in jedem Fall dazu beigetragen, dass Paare viel offener mit dem Thema Sextoys und ihren Fantasien umgehen.

Auch Andreas Stockburger und Marc Schlegel profitieren davon: Vor drei Jahren gründeten sie Vibraa.de, einen Onlinesexshop und Ratgeberportal für den deutschen und schweizerischen Markt – lange vor dem Boom. Die beiden nahmen sich damals direkt nach ihren Masterabschlüssen an der Universität St. Gallen ein Jahr Zeit, um das Unternehmen aufzubauen: „Wir haben von Anfang an auf Bootstrapping gesetzt und nicht gleich sechsstellig eingesammelt, wenngleich Angebote dagewesen wären“, erklärt Stockburger.

Am Anfang ihrer Gründungsphase stießen die beiden häufig auf Skepsis, ließen sich davon aber nicht entmutigen: „Auf einmal ist man der „Dr. Sommer“ für Freunde und Kollegen“, so Stockburger. Vor allem die Vermarktung stellte die beiden immer wieder vor Herausforderungen: „Hätten wir gewusst, wie schwer das Marketing von Sexspielzeug ist, wäre Vibraa vermutlich nicht die erste Gründung gewesen“, sagt Schlegel. Jungen Gründern raten sie deshalb, sich vorher den Markt ganz genau anzuschauen – und sich von der Konkurrenz abzuheben.