Das Jahr hat gerade erst begonnen, da müssen schon die ersten Start-ups aufgeben. Auch Rocket hat schon bessere Tage gesehen. Der Wochenrückblick.

Kaum hat die Bundesregierung das umstrittene „Anti-Angel-Gesetz“ gekippt, erzürnt ein Vorschlag aus dem Wirtschaftsministerium die Start-up-Szene. In einem der Ressorts diskutiert man die Idee stärkerer Fusionskontrollen. Bisher überprüft das Kartellamt eine Übernahme erst ab einer bestimmten Umsatzschwelle. Weil gerade Start-ups nicht darüber kommen, aber mit Milliarden bewertet werden, sollen dem Vorschlag zufolge auch alternative Kriterien wie der Kaufpreis miteinbezogen werden.

Der Bitkom befürchtet eine Exit-Flaute, sollte sich diese Idee durchsetzen. Es sei „ein völlig falsches Signal für den Start-up-Standort Deutschland“, sagte Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsleitung, der „Gründerszene“. Noch ist zwar nichts entschieden, aber zur Not wäre vielleicht mal wieder einen Brief an die Kanzlerin fällig – im Fall des Anti-Angel-Gesetzes hatte ein solches Schreiben bekanntlich Wirkung gezeigt.

Bis sich die Politik entschieden hat, gehen die Übernahmen aber erst einmal fröhlich weiter: IBM hat am Freitag den Erwerb von Iris Analytics bekannt gegeben. Das 2007 in Koblenz gegründete Unternehmen hat eine Software entwickelt, mit der sich Zahlungsbetrug frühzeitig feststellen lassen soll. Wie viel IBM für das Start-up gezahlt hat, wurde nicht offengelegt. Die 21sportsgroup zeigt sich ebenfalls zugeknöpft beim Thema Kaufpreis. Sie hat am Dienstag den Konkurrenten Mysportgroup übernommen. Wenn es schon keine genauen Kontrollen gibt, so wären doch zumindest die Preise für die jeweiligen Unternehmen interessant gewesen. Vielleicht kann sich das Wirtschaftsministerium dafür etwas überlegen.

Fintech bleibt heiß

Nicht unbedingt genaue Summen, aber zumindest Größenordnungen wurden zumindest bei den Finanzierungsrunden in dieser Woche verkündet. Der Lieferdienst Gegessen wird immer gab am Montag eine hohe sechsstellige Kapitalspritze bekannt. Das Marketing-Unternehmen Crossengage konnte eine siebenstellige Summe von bekannten Investoren wie Project A und Home24-Gründer Philipp Kreibohm in seiner Seed-Runde einsammeln, die Carsharingplattform Carjump erhielt ebenfalls eine Millionensumme. Das Start-up Medigo, das sein Geld ähnlich wie Caremondo mit Medizintourismus verdient, will nach einer Kapitalspritze von 3,5 Millionen Dollar nun China erobern.

Auch Fintech bleibt ein beliebtes Investorenziel: Nachdem in der vergangenen Woche bereits Peter Thiel mal wieder in der Szene aktiv war, verkündete in dieser Woche die Banking-App Mambu eine Finanzierung in Höhe von acht Millionen Euro – unter anderem von der Commerzbank –, das Schweizer Versicherungs-Start-up Financefox kam auf 5,5 Millionen Dollar. Seine Attraktivität scheint die Finanztechnologie auch 2016 noch nicht verloren zu haben.

Goodbye, Rocket!

Statt mit Finanzierungsrunden machte Rocket Internet in dieser Woche mit Weggängen von sich reden. Nachdem im Oktober bereits der Pressesprecher Andreas Winiarski das Unternehmen verlassen hat, folgen nun die Leiterin der Rechtsabteilung, Franziska Leonhardt, und Vize-Finanzchef Uwe Weitz. Beide zählten zum Aufsichtsrat, als die Start-up-Schmiede 2014 an die Börse ging. Aus Kreisen von Rocket heißt es, die Abgänge seien persönlich bedingt.

Gleichzeitig verschiebt der Inkubator seinen Umzug in den „Rocket-Tower“. Statt Anfang 2016 soll es nun eher Juli oder August werden. In der Zwischenzeit wird der Bau untervermietet. In einer internen Mail, aus der die „Gründerszene“ zitiert, heißt es, „die ökonomische Vernunft“ zwinge dazu, auf das Angebot positiv zu reagieren. Man kann sagen: Es hat schon bessere Tage für Rocket Internet gegeben.

Zwei Insolvenzen und eine böse Nachricht

Eine schlechte Woche war es auch für zwei Start-ups: Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt, da werden mit Workhub und Leinentausch schon die ersten Insolvenzen bekannt. Das Crowdworking-Start-up Workhub ist seit Dezember einem Insolvenzverwalter unterstellt. „Am Ende haben die Umsätze nicht gereicht, um langfristig die Kosten decken zu können“, heißt es von Seiten des Gründers.

Auch bei Leinentausch geht es vorerst nicht wie gewohnt weiter: Das Unternehmen, das unter anderem im Plug-and-Play-Accelerator von Axel Springer saß, musste ebenfalls Insolvenz anmelden. Unschön: Auf Facebook macht sich Unmut breit; eine Gläubigerin wirft dem Start-up vor, nicht rechtzeitig die Sitter informiert zu haben. Beim Geld hört die Nutzertreue offenbar auf.