Investoren stürzen sich auf Start-ups aus dem Finanzbereich: Nun übernimmt der Funding Circle Zencap. Warum auch die Samwers davon profitieren.

Die Kreditplattform Zencap der deutschen Firmenschmiede Rocket Internet fusioniert mit dem größeren Wettbewerber Funding Circle aus Großbritannien. Die Fusion erfolge über einen Aktientausch, bei dem alle Anteilseigner an Bord blieben, teilte das Berliner Unternehmen am Dienstag mit. Der Marktplatz Zencap, über den Investoren Kredite an Mittelständler vergeben können, war erst im März vergangenen Jahres gegründet worden und hat seither 35 Millionen Euro an etwa 520 Firmen ausgezahlt. Rocket hält rund 75 Prozent an Zencap.

Zencap ist deutlich kleiner als die 2010 in London gegründete Online-Plattform Funding Circle, zu dessen Investoren der US-Vermögensverwalter BlackRock und der Singapurer Staatsfonds Temasek gehören. Zencap-Mitgründer Christian Grobe wollte sich nicht zu den künftigen Eigentumsverhältnissen äußern.

Auch für Rocket-Internet-Geschäftsführer Oliver Samwer werden Fintechs immer wichtiger. Sie stünden vor einem ähnlichen Prozess wie einst im E-Commerce: “Alteingesessene Spieler werden von digitalen Anbietern überholt.” Samwer muss darauf hoffen, dass diese Strategie aufgeht. Schließlich setzt Rocket Internet mit Start-ups wie Lendico, Spotcap oder auch Zencap viel Geld auf den Bereich. Allerdings wächst die Konkurrenz in der Fintech-Branche durch Gründungen wie Number26 stetig.

Zencap wurde von Christian Grobe und Matthias Knecht gegründet. Die beiden ehemaligen Mitarbeiter der Unternehmensberatung McKinsey schalten Banken komplett aus. Sie vermitteln Unternehmen Kredite direkt von privaten Anlegern. Letztere können mit Beträgen ab 100 Euro einsteigen und so deutlich mehr Zinsen erzielen als auf dem Bankkonto – je nach Risikoklasse des Kreditnehmers zwischen 3 und 15 Prozent. Anders als bei der Bank sind die von Zencap vermittelten Geldanlagen von keiner Einlagensicherung geschützt. Anleger gehen als Gläubiger also voll in Risiko.

Investoren stürzen sich seit einiger Zeit auf Start-ups aus dem Finanzbereich. Die Analysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass neue Wettbewerber den Platzhirschen in den kommenden Jahren Erträge von 4,7 Billionen Dollar und Gewinne von 470 Milliarden Dollar streitig machen können. Auch zahlreiche Geldhäuser steigen deshalb bei FinTechs ein oder arbeiten mit ihnen zusammen, um nicht abgehängt zu werden.