Auch wenn die Verluste seiner Start-ups weiter steigen, macht der Berliner Inkubator zu den Quartalszahlen deutlich: Langfristig geht es Rocket Internet um Gewinne.

Es ist ein Halbsatz, der die Veränderung bei Rocket Internet vielleicht am besten demonstriert. Auf den ersten Blick enthält die Pressemitteilung zu den Quartalszahlen zwischen Juli und September die typischen Schlüsselwörter: starkes Umsatzwachstum, verbesserte Margen, hervorragende Performance.

So oder so ähnlich beschrieb Rocket Internet die Zahlen seiner sogenannten „Proven Winners“ – der Start-ups mit einer besonders hohen Finanzierung oder einem besonders hohen Umsatz – auch in den vergangenen vierteljährlichen Mitteilungen.

Trotzdem hat sich die Tonalität im dritten Quartal verändert: „Unsere Proven Winners setzen ihren starken Wachstumskurs fort“, lässt sich Oliver Samwer zitieren, „während sie kontinuierlich ihre Profitabilität verbessern.“ Ein Halbsatz mit Signalwirkung, nahezu eine Zeitenwende: Plötzlich geht es um Gewinne.

Galten früher Umsatz, Margen und Finanzierungsrunden als die wichtigsten Kennziffern in der Start-up-Manufaktur, so will sie nun raus aus dem roten Bereich mit ihren jungen Unternehmen. Nachdem Rocket Internet zu den Halbjahreszahlen neun Ziele verkündet hatte, an denen sich der Berliner Inkubator künftig messen lassen will, macht er nun deutlich, dass er auch plant, diese einzuhalten. Zwei dieser Punkte: Der Verlust-Zenit soll 2015 erreicht werden und drei der „Proven Winners“ sollen in den nächsten 24 Monaten Gewinne schreiben.

Alles nur heiße Luft?

Dass Rocket Internet diesem Ziel näher kommt, lässt sich in den Zahlen für die ersten neun Monate 2015 noch nicht erkennen. Ob Essen oder Möbel, Hellofresh oder Home24 – die Verluste haben sich auch zwischen Januar und September deutlich vergrößert.

Zwei Beispiele aus dem Lebensmittelbereich: Rockets Börsenhoffnung Hellofresh – um die es gerade Streit mit Investor Kinnevik geben soll – hat seine Verluste nahezu verneunfacht, im Vergleich zum Gesamtjahr 2014 schon jetzt vervierfacht. Das Minus liegt nun bei 52 Millionen Euro. Bei Foodpanda sieht es ähnlich aus: Der Lieferdienst kommt auf ein Minus von 72 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2014 lag der Verlust noch bei 34 Millionen Euro, also gerade einmal der Hälfte.