Deutsche Start-ups profitieren von ausländischem Risikokapital, vor allem in Berlin. Welche prominenten US-Investoren sich wo engagieren – und warum. 

Von Matthias Hohensee, Michael Kroker und Oliver Voß

Es war der große Triumph von Ijad Madisch. Im Frühjahr 2013 begeisterte der Virologe den reichsten Mann der Welt, in sein Start-up Researchgate zu investieren. Auf der Onlineplattform können Wissenschaftler sämtlicher Fachrichtungen Artikel hochladen, Daten veröffentlichen und Kooperationspartner finden. Vor Bill Gates überzeugte Madisch schon Benchmark Capital, einen der bekanntesten Wagnisfinanzierer des Silicon Valley. Und das, obwohl Madisch und seine beiden Mitgründer darauf beharrten, ihre Onlineplattform für Wissenschaftler nicht in den USA anzusiedeln, sondern in Berlin.

Gründer Ijad Madisch.

Gründer Ijad Madisch.

Schnell galt der deutsche Arzt mit syrischen Wurzeln als neuer Hoffnungsträger für die Start-up-Szene der Hauptstadt – und als Vorzeigebeispiel für ausländische Investoren. Sogar Angela Merkel schmückte sich mit ihm. Zwei Jahre später hat sich der Trubel gelegt. „Ich habe immer gesagt, dass wir mindestens eine Dekade brauchen, um in Berlin eine dynamische Start-up-Szene zu etablieren“, sagt der Researchgate-Chef, der im Hauptquartier in Berlin-Mitte 160 Mitarbeiter beschäftigt. „Aber der Boden ist gut bereitet.“

Zumindest finanziell hat er an Fruchtbarkeit gewonnen. Derzeit gibt es für deutsche Verhältnisse einen Boom an Wagniskapital. Grund ist vor allem mehr Risikobereitschaft sowohl von Gründern als auch von Investoren. Hinzu kommt mehr verfügbares Kapital, das nach Anlage sucht. Und einige erfolgreiche Verkäufe von Start-ups wie 6Wunderkinder aus Berlin an Microsoft und das Münchner Unternehmen Metaio an Apple. Das lockt neben deutschen auch ausländische Investoren an.

Berlin, das Silicon Valleylein

Zwar trennen Deutschland und die USA bei Wagniskapital noch immer Welten. Dort wurden im vergangenen Jahr 50 Milliarden Dollar in Start-ups investiert: „Doch Deutschland legt von Jahr zu Jahr zu“, sagt Michael Dempsey von CB Insights, „Berlin ist nach London der beliebteste europäische Standort bei Wagnisinvestoren.“

Der Analyst des New Yorker Marktforschungsunternehmens hat die Wagniskapitalinvestitionen der vergangenen Jahre untersucht. Wurden 2013 etwa 850 Millionen Dollar in deutsche Start-ups investiert, waren es ein Jahr später schon 1,6 Milliarden. Dieser Betrag wurde wiederum bereits in den ersten sechs Monaten dieses Jahres erreicht, vor allem dank einer Investition in Höhe von 733 Millionen Dollar in den Berliner Essenslieferant Delivery Hero. Für das laufende Jahr bahnt sich deshalb ein neuer Rekord an.