US-Investoren freunden sich mit deutschen Start-ups an, das Übernahmefieber grassiert in der Spielebranche und die „Höhle der Löwen“ macht weiter Schlagzeilen.

Dass hochrangige US-Geldgeber in deutsche Start-ups investieren, ist eine Seltenheit. Das Berliner Start-up Relayr gehört seit Donnerstag zu diesen Ausnahmen: Der Risikokapitalgeber Kleiner Perkins, der schon den richtigen Riecher mit seinen frühen Investitionen in Amazon, Google und Twitter bewies, steckte elf Millionen US-Dollar in das auf das Internet der Dinge spezialisierte Unternehmen. „Ich bin mehr als stolz darauf, dass uns solche Investoren unterstützen“, sagte Relayr-Chef Brunner. Die Investition des US-Wagniskapitalgebers mag noch eine Seltenheit sein, doch das Interesse scheint weiter zu steigen.

Wer noch einen Beweis braucht, dass die deutsche Start-up-Szene boomt, muss sich nur die Finanzierungsrunden in den vergangenen Tagen anschauen. Nachdem bereits in der vergangenen Woche diverse Millionen in hiesige Jungunternehmen geflossen sind, folgte nun die nächste Welle: Neben Relayr konnte auch das ursprünglich in den Niederlanden gegründete Rocket-Start-up Nestpick eine Kapitalspritze von elf Millionen US-Dollar vermelden. Das Berliner Gadget-Start-up Byebuy erhielt in seiner Seedfinanzierung eine Million Euro von Rocket und der Commerzbank. Rheingau Founders investierte in das Berliner Start-up Service Partner One. Das Fintech-Unternehmen Compeon bekam 2,5 Millionen Euro. Mit Figo erhielt ein weiteres Fintech-Start-up eine siebenstellige Summe. Und der deutsche Star-Investor Klaus Hommels investierte ebenfalls siebenstellig in den Berliner Start-up-Campus Factory. Was nach einer Aufzählung klingen mag, zeigt, wie hoch die finanziellen Wellen in der deutschen Start-up-Szene inzwischen schlagen.

„Höhle der Löwen“ macht weiter Schlagzeilen

Weil der Londoner „Candy Crush“-Entwickler King Digital Entertainment den Besitzer wechselte, stand in dieser Woche plötzlich auch das deutsche Spiele-Start-up Wooga im Fokus der Aufmerksamkeit. Nachdem die Branche ohnehin im Konsolidierungsfieber steckt, stellt sich nun die Frage, ob das Berliner Unternehmen der nächste Übernahmeandidat sein könnte. „Es ist eine Herausforderung, zu denen zu gehören, die übrig bleiben“, erklärt Wooga-Chef Jens Begemann. Man fühle sich wohl als private Firma. Ein „Nein“ ist das nicht, aber zumindest ein „Jetzt nicht“.

Schon viele Studien haben versucht herauszufinden, ob es so etwas wie ein „Unternehmer-Gen“ gibt, ob wir also als Gründer geboren werden oder ob wir in diese Rolle hereinwachsen. Eine Studie der Zeppelin Universität Friedrichshafen gibt darauf nun aus einer anderen Perspektive eine Antwort: Menschen, deren Elternteile Unternehmer waren, sind demnach häufiger als der Durchschnitt geneigt, einmal selbst zu gründen. Ein Gen gibt es vielleicht nicht, aber die Untersuchung verdeutlicht doch, dass Unternehmertum zumindest aus sozialen Gesichtspunkten weiter vererbt werden kann.

Auch wenn die zweite „Höhle der Löwen“-Staffel in der vergangenen Woche endete, macht die Start-up-Show weiter Schlagzeilen. Das Hamburger Unternehmen Spottster, das in der Sendung bei den Investoren abblitzte, konnte sich im Nachhinein die finanziellen Mittel und die strategische Unterstützung von Jochen Schweizer sichern. Für die Start-ups ist das eine gute Nachricht, heißt das doch, dass auch bei einem Aus in der Show nicht alles verloren ist. Allerdings ist das Vorgehen auch kritisch zu betrachten: Wenn manche Deals, die in der Sendung gefeiert werden, am Ende nicht zustande kommen und die „Löwen“ gleichzeitig später in Start-ups investieren, die sie in der Show noch abgelehnt hatten – was genau ist in der Sendung dann eigentlich noch echt?

Passend zu dieser Frage hat das Onlineportal „Gründerszene“ Auszüge aus den Verträgen der Start-ups veröffentlicht. Darin ist ein Aspekt klar festgehalten: Die Unternehmen bekämen „lediglich die Möglichkeit“, ihr „Geschäftskonzept bei den Löwen vorzustellen“, heißt es darin. Im Falle einer „positiven Investmententscheidung“ würden allein die Investoren in Verhandlungen mit den Start-ups treten. Vereinfacht gesagt bedeutet das schlicht, dass ein „Ich nehme das Angebot an“ weder für die Unternehmen noch für die Investoren verbindlich ist.

Ganz verbindlich hat sich in dieser Woche die Jury des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs „Neumacher“ in der VHB-Bibliothek zusammengesetzt und sich die Geschäftsideen der Finalisten angehört. Der Preisträger wird am 17. November im Rahmen der Neumacher-Konferenz der WirtschaftsWoche in Hamburg verkündet. So viel sei vorab verraten: An guten Ideen mangelte es in diesem Jahr nicht.