Relayr vernetzt Geräte und Sensoren und organisiert deren Steuerung. Damit hat das Start-up einen prominenten Investor überzeugt.

Bei Start-ups ist es nicht ungewöhnlich, dass die Gründer mit wachsendem Erfolg einen erfahrenen CEO ins Unternehmen holen. Eines der bekanntesten Beispiele ist Google, wo Eric Schmidt lange die Geschäfte führte, bis Sergej Brin und Larry Page wieder das Ruder übernahmen. Relayr ist einen anderen Weg gegangen: Der 53-jährige Gründer Harald Zapp hat den Chefposten im September an den 34-jährigen Josef Brunner abgegeben und agiert selbst als Chief Operating Officer. Brunner bringt trotz seines jungen Alters viel Erfahrung mit. Er hat das Energiemanagement-Unternehmen JouleX gegründet und vor zwei Jahren für 107 Millionen Euro an Cisco verkauft. Und auch Relayr kennt Brunner bereits, steuerte er im Vorjahr doch einen Großteil der Startfinanzierung von 2,3 Millionen Dollar bei.

Nun soll Brunner die Expansion in den USA voranbringen, Anfang kommenden Jahres will er dazu Büros an der Ost- und Westküste eröffnen. „Wir wollen das Gravitationszentrum für das Internet der Dinge werden“, sagt Brunner. So wie es Cisco in den Achtziger Jahren gelang, Standards für die Vernetzung von Computern zu setzen, wollen die Berliner eine Plattform bieten, auf der unterschiedlichste vernetzte Geräte und Maschinen miteinander kommunizieren können. „Jeder Anbieter versucht seine eigenen Standards durchzusetzen“, sagt Zapp. Relayr fasst diese zusammen. Der Plan mag vermessen klingen, doch Relayr hat mit Kleiner Perkins Caufield& Byers gerade einen der namhaftesten Wagniskapitalgeber der Welt überzeugt. Und sind neben Soundcloud eines der wenigen deutschen Unternehmen im Portfolio.

Auch bekannte Unternehmen nutzen bereits die Plattform: So verwaltet Cisco die Daten von 10 000 Sensoren aus seinem gerade eröffneten Innovation Center in Berlin auf Relayrs Cloudplattform, in einem Projekt mit Coca Cola hat das Start-up 20 000 Getränkeautomaten. Weitere Kunden sind Bosch Siemens Hausgeräte, Johnson Control, Nestlé und die Stadt Paris.

Bekannt wurden die Berliner durch ihren Bausatz „Wunder Bar“, der äußerlich einer Tafel Schokolade ähnelt und ein WLAN-Mastermodul sowie sechs kleine Chips enthält. Sie kommunizieren über Bluetooth und messen Geräuschpegel, Temperatur und Helligkeit oder senden Infrarotsignale wie eine Fernbedienung. Damit gewann Relayr den Code_n-Start-up Wettbewerb auf der diesjährigen Cebit. Etwa 3000 der Bausätze für das Internet der Dinge hat Relayr verkauft. Doch der Schwerpunkt soll künftig auf der Cloudplattform liegen.

 

Steckbrief

Relayr

Gründung: 2013

Sitz: Berlin

Mitarbeiter: 40

Finanzierung: 13,3 Millionen Dollar von Kleiner Perkins, Munich Venture Partners und Business Angels

Kunden: Bosch Siemens Hausgeräte, Johnson Controls, Nestlé, Stadt Paris

Umsatz: In diesem Jahr im einstelligen Millionenbereich