Auf dem „Demo Day“ dürfen sich die Start-ups des ProSiebenSat.1-Accelerators präsentieren. Es ist aber auch eine Inszenierung des Medienkonzerns selbst.

Als der Fairr-Gründer auf die Bühne kommt, wirft er einen Blick in Richtung Jens Pippig und sagt: „Jetzt hast du mir meinen Einstieg geklaut.“ Der Chef des ProSiebenSat.1-Accelerators grinst, das Publikum lacht. Pippig hatte den Gründer mit den Worten angekündigt, er würde ein langweiliges Thema mit einer interessanten Lösung mitbringen.

Alexander Kihm, der Technikchef des Start-ups Fairr, muss tatsächlich eine besonders trockene Materie auf dem „Demo Day“ im Accelerator von ProSiebenSat.1 vorstellen: Mit Produkten wie Fairrürup oder auch Fairriester will er Lösungen für die Altersvorsorge verkaufen, gewöhnlich dem deutschen Verbraucher, am Mittwoch dem Publikum aus Investoren und Medienleuten im ProSiebenSat.1-Accelerator. Mit Folien von „Gerd“ (Gerhard Schröder) und „Angie“ (Angela Merkel) schafft es Kihm – man muss sagen: trotz des Produkts –, den Vortrag witzig zu gestalten und die etwa 70 Zuschauer zum Lachen zu bringen.

Auf dem „Demo Day“ dürfen die Start-ups ihre Ideen zum Abschluss des sechsten Acceleratorprogramms vorstellen. Auf grünem Teppich, mit rotem ProSiebenSat.1-Banner („Boost your ideas“) im Hintergrund präsentieren in Berlin-Mitte gemeinsam mit Fairr auch das Diät-Start-up Kukimi, der Gourmetboxen-Vertreiber Foodist, das Versicherungsunternehmen Clark und die Reiseplattform Triprebel ihre Geschäftsmodelle. Sie schwärmen von riesigen, ungenutzten Märkten, von hohen Umsatzzahlen. Sie sprechen vom Probleme lösen, vom Disrupten. Es soll ihr Tag sein, es soll um sie gehen.

Ein Trumpf namens Werbung

Es ist aber nicht nur der Präsentationstag der Start-ups, es ist auch ein Präsentationstag für ProSiebenSat.1. Der MDax-Konzern schafft sich hier, vor den Investoren, vor den Medien, vor den Gründern, einen Rahmen, um sich als Start-up-Versteher und -Förderer zu inszenieren. So nutzt Accelerator-Chef Pippig die ersten zehn Minuten, um das eigene Programm zu loben – 35 Start-ups, die bisher mitgemacht haben, Millionen an Finanzierung, Büroräume, Mentoring. Und, nicht zu vergessen, ein 500.000 Euro schwerer Werbedeal.

Triprebel-Gründer Carlos Borges. (Foto: PR)

Carlos Borges von Triprebel.
(Foto: PR)

Dass die Start-ups „Media for Equity“ bekommen, also Werbung schalten dürfen und Anteile dafür abgeben müssen, ist eine Neuerung des Programms. Carlos Borges von Triprebel und Ole Schaumberg von Foodist sagen beide, das sei für sie ein Mitgrund für die Bewerbung beim ProSiebenSat.1-Accelerator gewesen. „Wir wollen damit ein größeres Publikum ansprechen“, so Borges. Für Triprebel sei der Einzug in den Accelerator das „perfekte Timing“ gewesen, um nun noch mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Das Start-up hatte auf Companisto kürzlich eine Crowdinvesting-Kampagne gestartet.