Im September wird Köln zu einer Hochburg für Piraten. Zwei Tage lang treffen sich Gründer, Entwickler und Investoren zum sogenannten Pirate Summit.

Von Johanna Küppers

Wenn Roboter über das Gelände laufen, verrostete Eisenfiguren Feuer speien und Teilnehmer sich von einem großen Turmkran abseilen lassen, dann ist es nicht etwa eine Zirkus-Verstanstaltung, sondern eine der skurrilsten und gleichzeitig hochkarätigsten Veranstaltungen für Gründer: das Pirate Summit. Die Konferenz der Gründer und Investoren, die nun ins fünfte Jahr geht, gleicht dabei nicht einem Szene-Treffen, sondern eher einem Festival.

Das liegt nicht zuletzt auch am Veranstaltunsort im Kölner Norden: Odonien ist eine Kombination aus alter Werkstatt, Kulturzentrum und Schrottplatz. 2010 ist das Event hier mit 150 Besuchern gestartet, in diesem Jahr sind es schon 1000 Personen. „Unsere Grenze liegt bei 1200 bis 1300 Gästen, mehr gibt die Location nicht her“, sagt Till Ohrmann, Mitorganisator der Veranstaltung. Schon im nächsten Jahr könne die Grenze erreicht werden.

Trotz der vielen Teilnehmer begegnen sich einige auf dem Gelände immer wieder. Gründer Steffen Braun genießt vor allem die Atmosphäre. Anders als viele andere Start-ups leitet er bereits ein größeres Unternehmen. „Ich komme hierher, weil es wie Urlaub ist. Ich genieße das Flair und treffe Freunde wieder, die man nur einmal im Jahr sieht“, sagt Braun. Sein Unternehmen “Task Force Internet” beschäftigt sich nicht mit denselben Problemen, die auf der Veranstaltung angeschnitten werden. Beim Pirate Summit stehen etwa 80 Prozent der Start-ups kurz vor der Gründung. Sie beschäftigen sich also mit den Fragen, wie Produkte aussehen sollen und wer potenzieller Kunde ist. Nur eine Minderheit der Start-ups ist schon größer, so wie das von Brauns. Trotzdem schätzt der Gründer die hochkarätigen Sprecher: „Glücklicherweise werden die Finanz-und Steuerberater hier außen vor gelassen. So kann man sich ganz auf den fachlichen Austausch konzentrieren.“

Immer wieder begegnen die Gäste auch einem Mann mit Bauchkasten und grüner Fliege. Um ihn sind stets zwei bis drei Leute versammelt. „My battery is empty“, sagt ein Passant. „I can help you“, erwidert der Mann mit dem Bauchkasten. Der Helfer heißt Robin Kirchartz und bietet mobile Ladestationen für Handys an. Gegen eine Pfandgebühr können Interessierte einen Akku erhalten – seine Geschäftsidee. Kirchartz ist schon lange beim Pirate Summit dabei. „Es lohnt sich immer zu kommen, Ideen und Inspirationen werden mir hier geradezu um die Ohren geschmissen“, sagt der Gründer.

Nicht nur von der Gründerseite gibt es gute Resonanz, auch Investor Hardy Isken gefällt es. Er ist im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft unterwegs und sucht Anwärter für mögliche Fördergelder. Am ersten Tag war er bereits erfolgreich: „An einem Vormittag habe ich mit 18 Start-ups Gespräche geführt, das ist sehr viel im Vergleich zu anderen Treffen.“ Außerdem habe der Frankfurter noch nie eine Start-up Veranstaltung in solch einer Atmosphäre erlebt. „Alle Personen sind unglaublich offen und es ist international, es macht einfach Spaß“, sagt der Investor.

Zwei Tage lang wird beim Pirate Summit beratschlagt, verhandelt und gefeiert. Im Mittelpunkt stehen Vorträge vieler renommierter Sprecher, Diskussionen, Vorträge und auch ein Pitch – für diesen sind die Organisatoren in den vergangenen Wochen durch ganz Europa gereist und haben die besten Start-ups zu sich nach Köln eingeladen. Die sogenannte „Pirates on Shore”-Tour war in knapp 60 Städten Europas und im Mittleren Osten unterwegs. Nur die Gewinner der lokalen Pitches sind nach Köln gekommen. Denn eins ist den Organisatoren besonders wichtig: Qualität. So werden auch alle anderen Teilnehmer sorgfältig ausgewählt. Wer bei der Veranstaltung mitmachen will, muss sich erst bewerben und überzeugen. „Wir haben etwa 50 bis 60 Prozent der Bewerbungen abgelehnt, weil sie nicht in das Konzept gepasst haben“, sagt Organisator Ohrmann. Es zeigt sich, dass zwar viele internationale Teilnehmer vor Ort sind, der lokale Sektor aber kaum vertreten ist.