Alltag ist nicht immer einfach, wenn anderorts fast täglich Menschen durch Anschläge sterben. Nach den Attacken in Paris musste sich nun auch ein Start-up mit dem IS-Terror auseinandersetzen.

Die Anschläge in Paris (und auch die in Beirut, in Tel Aviv, in Bagdad) haben in dieser Woche alles überschattet. Wie banal klingt dagegen die Meldung einer Finanzierungsrunde oder eines Start-up-Aus’. Alltag ist in einer solchen Situation nicht immer einfach. Trotzdem muss er weitergehen. Wenn wir den Anschlägen alles unterordneten, hätten die Terroristen ihr Ziel erreicht und gravierenden Einfluss auf unsere Leben genommen. Somit ist jede Meldung über eine Finanzierungsrunde, jeder Artikel über die Start-up-Szene, jeder Wochenrückblick auch ein Schritt in die Normalität.

Die Anschläge von Paris kamen in dieser Woche auch in der Start-up-Szene an. Der Berliner Messenger Telegram geriet als „Lieblings-App der IS-Terroristen“ in die Schlagzeilen. Hintergrund: Die 2013 gestartete Kommunikations-App wirbt damit, ihre Nachrichten besonders gut zu verschlüsseln. Daher erfreut sie sich nicht nur bei Datenschützern, sondern auch bei Terrorsiten großer Beliebtheit. Das war zwar schon länger bekannt, reagiert hat Telegram allerdings erst nach den Attacken in der französischen Hauptstadt. Im Unternehmensblog schrieb das Start-up, dass es Dutzende Kanäle, über die IS-Terroristen Propaganda verbreiten, gelöscht habe. Nicht nur Daten, auch Datenschutz kann offenbar missbraucht werden.

Trotz der Anschläge in Paris blieben die Börsen in dieser Woche stabil. Anders als nach den Attacken am 11. September ließen sich die Investoren nicht einschüchtern. Auch in die Start-up-Szene steckten sie weiter Geld: Das Start-up Testcloud beispielsweise, über das Unternehmen ihre Apps von der Crowd testen lassen können, kassierte eine Millionenfinanzierung und wagt unter dem neuen Namen Test IO den Schritt in die USA. Nach dem German Accelerator Programm im vergangenen Jahr baut Test IO nun auf ein eigenes Büro in San Francisco. Auch das Hotelbuchungsportal Dreamcheaper bekam eine Finanzierung, es erhielt eine Million Euro von Holtzbrinck Ventures und dem Rocket-Fonds Global Founders Capital, die Marketingplattform Gamewheel dieselbe Summe von einigen Business Angels und Crown Ocean Capital. Auch abgesehen von Paris ein positives Signal für die Start-up-Szene.

Peter Thiel glaubt an die Chefs, Foodpanda an Unternehmen

Die Lebensmittelbranche gilt ja als Zukunftsgeschäft in der digitalen Welt. Das hat offenbar auch Lidl erkannt. Nachdem Kochzauber eigentlich schon dem Aus geweiht war, übernahm der Discounter in dieser Woche überraschend den Hellofresh-Konkurrenten. Das Start-up soll nun als eigenständige Marke weitergeführt werden. Die Kochboxen sollen künftig aber nicht ausschließlich mit Lidl-Produkten befüllt werden, sagte eine Sprecherin der „Gründerszene“. Ein nicht ganz so glückliches Ende gab es hingegen für KommtEssen. Das schwedische Unternehmen gibt auf, wie es in einer Mitteilung verkündete. Es gilt als einer der Pioniere auf dem Markt imt Kochabos. Beide Beispiele beweisen: Eine Konsolidierung auf dem Markt mit Essen hat längst eingesetzt.

Star-Investor Peter Thiel glaubt offenbar trotzdem weiterhin an das Modell. Gemeinsam mit Holtzbrinck Ventures stieg er über seinen Founders Fund bei dem Berliner Start-up Eating with the Chefs. Für das Berliner Unternehmen ist es die Seed-Finanzierung. Das Start-up verschickt Zutaten und Rezepte, die von bekannten Köchen entwickelt wurden. Ähnlich wie Peter Thiel scheint man auch bei Rocket noch nicht an eine Sättigung des Marktes zu glauben: Die Essensplattform Foodpanda hat einen Lieferservice nur für Unternehmen gestartet. Mit diesem Geschäftsmodell will das Unternehmen künftig die Hälfte seines Umsatzes machen. Ein ambitioniertes Ziel. Ob die Idee aufgeht, muss sich allerdings erst noch zeigen.

Während unser Einkauf beziehungsweise unser Essen digital bestellt und bezahlt werden kann, machen es Restaurants dem Verbraucher nach wie vor schwer. Gerade einmal acht Prozent der Gastronomie-Betriebe bieten dem Verbraucher die Möglichkeit, per Smartphone die Rechnung zu begleichen, dabei würden 17 Prozent der Kunden einen solchen Service gerne nutzen. Den Betreibern fehlt es aber meist an Zeit und Geld für die Digitalisierung, wie eine Studie der GfK zeigt. Ein digitaler Graben, den es zu schließen gilt.

ProGlove gewinnt Neumacher-Wettbewerb

Wie das gelingen kann, haben Gründer, Experten, Investoren und Unternehmer am Dienstag diskutiert. Auf der Neumacher-Konferenz in Hamburg zeigte sich, dass die Gastronomie nicht die einzige Branche ist, die mit der Digitalisierung kämpft. Auf der Veranstaltung der WirtschaftsWoche kamen Gründer und Unternehmer zusammen, um über den Wandel verschiedener Industrien zu diskutieren. Dabei ging es nicht nur um den Austausch etablierter Konzerne und frisch gegründeter Start-ups, sondern auch um den Austausch der Generationen. So hielt Finn Plotz, der mit 17 Jahren die Idee für sein Start-up Vion entwickelte, eine viel beachtete Keynote, die viel positives Feedback hervorrief.

Am Abend lieferte Olaf Koch, Chef des MDax-Konzerns Metro, den Gegenpart und berichtete über die digitalen Veränderungen aus Sicht eines Unternehmers. Eins machte er dabei sehr deutlich: Probleme haben nicht nur nur Start-ups. Auch etablierte Konzerne müssen immer wieder mit ihrem Geschäftsmodell kämpfen.

Im Rahmen der Konferenz wurde auch der Gründerpreis Neumacher der WirtschaftsWoche vergeben. In diesem Jahr konnte sich ProGlove den Titel sichern, ein Unternehmen, das einen intelligenten Handschuh für Fabriken herstellt. Manchmal gehen Digitalisierung und etablierte Industrien auch Hand in Hand.

Zum Schluss noch ein Hinweis für alle „Höhle der Löwen“-Fans: Bevor es im kommenden Jahr wieder los geht, wird Vox am 01. Januar eine Spezialausgabe ausstrahlen. Als Start in das neue Jahr spendiert der Sender zweieinhalb Stunden lang ein „Best of“ der Start-up-Sendung. Hat die Show ähnliche viele Zuschauer wie eine gewöhnliche Folge, dürfte 2016 für den Fernsehsender gut beginnen.