Groupraise-Gründer Devin Baptiste (links). (Copyright: PR/Groupraise)

Groupraise-Gründer Devin Baptiste (links).
(Copyright: PR/Groupraise)

Groupraise: „Wir waren etwas abgeschreckt vom Datenschutz“

Der US-Amerikaner Devin Baptiste hat mit Groupraise ein Start-up gegründet, das Essen gehen mit einer Spende verbindet. Wer zu einem Event, das über das Start-up gebucht wurde, geht, unterstützt automatisch eine gemeinnützige Organisation. Im Interview hat er WiWo Gründer erklärt, warum es ein US-Start-up nach Deutschland verschlägt und wo die Unterschiede zwischen dem neuen und dem alten Kontinent liegen.

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Baptiste, Sie haben Ihr Start-up in den USA gegründet. Warum haben Sie sich entschieden, sich für ein Accelerator-Programm in Deutschland zu bewerben?
Devin Baptiste: Das hat tatsächlich eine Hintergrundgeschichte. Wir waren in Südamerika in einem Programm in Chile, als Kevin Tapply von Techstars in die Stadt kam, um auf einer Konferenz zu reden. Der Geschäftsführer des Programms bat mich, Kevin dorthin mitzunehmen. Während der Autofahrt habe ich ihm erzählt, was Groupraise ist und wie unsere Idee funktioniert. Daraufhin hat er dieses Programm eines Unternehmens namens Metro in Deutschland erwähnt.

Das heißt, Sie kannten Metro bereits?
Nein, ich habe erst gedacht, es ginge um ein Verkehrsunternehmen. Aber wir haben recherchiert und herausgefunden, dass Metro tatsächlich der drittgrößte Einzelhändler der Welt ist und 1,2 Millionen Restaurants betreibt.

Haben Sie sich vorher bereits Gedanken darüber gemacht, in den europäischen Markt einzutreten?
Wir haben uns Europa zwar angeguckt, aber wir waren etwas abgeschreckt von den Datenschutzrichtlinien und der Kultur. Dann haben wir realisiert, dass Metro uns diese sehr einzigartige Möglichkeit bietet, einen Zugang zu ihrer Kundenbasis zu erhalten. Also haben wir gedacht, es wäre dumm, es nicht zu tun.

Wie ist die Idee zu Groupraise entstanden?
Die Idee kam mir vor langer Zeit. Ich habe in einer Band Keyboard gespielt und sang in verschiedenen Veranstaltungsorten, Bars und Restaurants. Die Leute dort wurden meine Freunde und Mentoren. Einer von ihnen erzählte mir eines Tages: „Ich will mich mehr in meiner Region engagieren, aber ich weiß nicht, wie.“ Ich dachte, ich könne ihm helfen, und rief eine Organisation, die ich kannte. Ich fragte sie, ob sie ihr Event in seinem Restaurant abhalten wolle, wenn er dafür im Gegenzug einen bestimmten Anteil spende. Der Freund dachte, dass vielleicht 30 Leute zu dem Event kommen würden. An dem Tag tauchten dann 300 Leute auf.

Wie lange hat es gebraucht, bis Sie dann das Start-up gegründet haben?
Ich habe sofort gewusst, dass die Idee eine einzigartige Möglichkeit für Restaurants und die Gäste bietet: Die Unternehmen verkaufen, die Leute haben Spaß. Ich habe die Idee damals erst einmal im Hinterkopf verstaut. Sprung ins Jetzt: 2010 habe ich das Team und das Produkt aufgebaut. Groupraise ist jetzt in mehr als 50 Städten in den ganzen USA vertreten und wir haben gerade unsere erste Kooperation mit der Organisation German Doctors abgeschlossen.

Wie funktioniert Groupraise?
Normalerweise sind die Kunden Geschäftsleute, die sich zum Netzwerken treffen; ein Einzelner, der eine bestimmte Organisation unterstützen will; oder einfach jemand, der Geburtstag feiern möchte. Wir stellen diesen Menschen eine Liste mit Restaurants zur Verfügung, aus der sie eins auswählen können. Wenn das Restaurant die Anfrage akzeptiert, muss der Kunde nur noch die Seite des Events mit jedem teilen, den er einladen will. Er erscheint, er isst, das Restaurant sammelt das Geld, sodass jeder weiß, wie viel eingenommen wurde, und dann überweist es einen Teil davon an die Wohltätigkeitsorganisation, die der Gast ausgewählt hat.

Wie profitiert Groupraise davon?
Wenn das Restaurant die Anfrage akzeptiert, zahlt es 39 Euro an uns für die Buchung.

Und wie profitiert dann das Restaurant aus ökonomischer Sicht? Verliert es nicht Geld, wenn es eine Gebühr zahlen und einen Prozentsatz seiner Einnahmen für einen wohltätigen Zweck spenden muss?
Ich denke nicht. Die Restaurants listen selbst die Zeiten auf, in denen sie ein solches Event beherbergen wollen – normalerweise sind das Zeiten, in denen sie keine Kunden hätten. Im Durchschnitt sehen die Ausgaben eines Restaurants so aus: ein Drittel für Essen, ein Drittel für die Räume und ein Drittel für das Personal. Wenn niemand kommt, sind die Lichter an, die Mitarbeiter arbeiten, aber das Geschäft bringt kein Geld ein. Wir schaffen die Möglichkeit, eine gute Sache zu unterstützen, uns eine Gebühr zu zahlen und immer noch profitabel zu arbeiten, weil die 20 Kunden ohne Groupraise nicht da gewesen wären.

Was ist der Grund, warum sich Konsumenten für Groupraise entscheiden?
Der Hauptgrund ist, dass sie von jemandem eingeladen wurden. Die Durchschnittsgröße einer Groupraise-Gruppe liegt bei 55 Kunden. Das liegt daran, dass es wirklich kraftvoll ist, von einem Bekannten zu einer Veranstaltung eingeladen zu werden, die eine gute Sache unterstützt. Erst wenn jemand zu dem Essen geht und dann von dem Wohltätigkeitszweck hört, geht es auch wirklich um die Sache. Aber am Anfang geht es einfach um die Leute, um den Namen.

Sie planen eine Expansion in Europa. Bis wann wollen Sie diese vollziehen?
In den nächsten zwölf Monaten. Wir haben in Deutschland die ersten Partnerschaften aufgebaut. Jetzt wollen wir Gruppen finden, die daran interessiert sind, regelmäßig Groupraise-Veranstaltungen zu initiieren. Und dann werden wir Restaurants suchen, die mit uns arbeiten wollen.

Hat das Accelerator-Programm der Metro dabei etwas gebracht?
Ja. Wir haben gelernt, wie eine europäische Expansion aussehen könnte. Das ist sehr wertvoll für uns. Wir haben auch unsere erste Kooperation mit German Doctors durch die Metro erhalten. Gleichzeitig sind wir auch in den USA stark expandiert, während wir hier waren. Der Tag hat derzeit einfach nicht genügend Stunden.

Sie haben bereits die Datenschutzrichtlinien in Deutschland erwähnt. Welche Herausforderungen haben diese mit sich gebracht?
Die Vereinigten Staaten sind ja eher liberal beim Thema Daten, Deutschland hingegen sehr streng. In den USA speichern wir beispielsweise IP-Adressen – das kann man in Deutschland nicht machen. Eine unserer Herausforderungen ist es deshalb, die Rechte einer Person in der Bundesrepublik zu verstehen. Aber Menschen machen jeden Tag Geschäfte in Deutschland, also muss es da eine Lösung geben. Wir müssen uns nur anpassen.

Abgesehen von der Expansion – wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?
Ich freue mich sehr zu sagen, dass wir gerade wieder in einer Finanzierungsrunde stecken. Wir suchen nach Wagniskapital in Europa und in den USA. Wir würden gerne bald ein Büro in Europa eröffnen. Wir sagen immer, es gibt Facebook-Likes und es gibt unsere Spenden. Und es ist sehr schwer, jemanden, der in sozialen Netzwerken aktiv ist, zu einem Spender umzuwandeln. Wir sind in der Mitte dieses Prozesses und versuchen, die Leute zum Helfen zu bewegen.

Herr Baptiste, vielen Dank für das Gespräch.