Rublys-Gründer Manuel Zwittag (links). (Copyright: PR/Rublys)

Rublys-Gründer Manuel Zwittag (links).
(Copyright: PR/Rublys)

Rublys: „Wer viel investiert, ist schnell wieder weit weg vom positiven Cashflow“

Rubbellose kennen viele aus der Lotterie: Mit einem Centstück eine Fläche freirubbeln und auf einen Gewinn hoffen. Der Österreicher Manuel Zwittag will dieses Prinzip ins digitale Zeitalter bringen. Mit seinem Start-up Rublys will er das klassische mobile Marketing verändern und den Nutzer dazu bringen, sich freiwillig mit einem Unternehmen zu beschäftigen. Im Interview mit WiWo Gründer erzählt er, warum die Geschichte der Wiener heute nicht mehr genau zu rekonstruieren ist und wie Vorstellung und Realität auseinander gehen.

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Zwittag, mit Rublys bieten Sie Rubbellose für das Smartphone an. Wie kommt man auf so eine Idee?
Manuel Zwittag: Das ist heute nicht mehr hundertprozentig nachvollziehbar. Eigentlich war das Rubbellos ein Teil einer anderen Idee.

Welche Idee war das?
Wir hatten ein Konzept für eine eventbasierte Plattform entwickelt. Anhand der Social-Media-Aktivitäten sollte ein Nutzer Vorschläge für Veranstaltungen bekommen, wenn er in eine neue Stadt kommt. Es war aber nur eine Idee, zu der auch das Rubbellos gehörte. Irgendwann hat einer von uns gesagt: Lass uns nur noch das Rubbellos machen. Und darauf haben wir uns dann fokussiert.

Wie funktioniert Rublys genau?
Es ist ein digitales Rubbellos, das der Nutzer mit dem Finger freirubbeln kann. Wie bei anderen Rubbellosen auch hat er die Chance darauf, einen Preis zu gewinnen.

Wofür braucht man sowas?
Wir sehen uns als Marketingchannel. Klassische Werbung funktioniert mobil oft nicht wirklich gut. Wenn irgendwo ein Banner aufklappt, dann sucht der Nutzer nach dem Schließen-Knopf. Die Werbung wird meistens als störend empfunden. Wir wollten mit unserer Herangehensweise einen Kanal schaffen, auf dem sich Konsumenten freiwillig und aktiv mit Produkten beschäftigen.

Und welchen Mehrwert hat das für mich als Konsument?
Rublys ist kostenlos und die Nutzer können etwas gewinnen – ein Produkt, einen Gutschein, einen Rabatt. Wir stellen aber auch fest, dass viele Rublys als Zeitvertreib auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkauf nutzen.

Wie verdient Rublys Geld, wenn die Nutzer nicht zahlen?
Die Unternehmen zahlen pro Interaktion. In der klassischen Werbung nennt sich das Cost per Click, wir nennen es Cost per Scratch. Die Konsumenten beschäftigen sich durchschnittlich 15 Sekunden mit dem Produkt, der Marke oder dem Unternehmen. Pro Scratch zahlt das Unternehmen einen niedrigen Cent-Betrag. Es gibt aber auch Pakete für lokale Unternehmen, die nur in ihrem unmittelbaren Umkreis werben – zum Beispiel die Pizzeria an der Ecke.

Wie lange dauern die Aktionen im Schnitt an?
Ganz unterschiedlich. Die Kampagnen werden bei uns individuell mit den Kunden abgestimmt. Das variiert von ein paar wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten.

Für die Unternehmen ist Rublys vor allem dann interessant, wenn viele Leute die App nutzen. Wie viele User haben Sie?
Mittlerweile gut eine Million. Mehr als 350.000 davon in Österreich und in etwa 750.000 registrierte Nutzer in Deutschland. Hier stehen wir noch am Anfang. Deswegen haben wir uns auch für den Metro-Accelerator beworben, um strategische Partnerschaften voranzutreiben.

Hat das funktioniert?
Ja, vieles ist jedoch noch in der Pipeline. Es ist nicht so, dass alles nach zwei Monaten schon richtig läuft. Aber das Netzwerk ist riesig, das hat uns am meisten gebracht und wird uns noch viel bringen. Viele der Mentoren haben uns ihr Feedback gegeben, wodurch wir noch mal eine andere Sicht auf unsere Idee bekommen haben. Wir haben auch einige Kooperationen angeleiert. Ob daraus etwas wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Kontakte sind jedoch aufgebaut.

Welche Kooperationen streben Sie an?
Ein klassisches Beispiel, das für uns sehr gut funktioniert, sind Partnerschaften mit Unternehmen, die ein großes Filialnetz haben. Wenn beispielsweise Konzerne wie Metro oder McDonald’s eine Kampagne mit uns machen, die für sie gratis ist, aber die sie selber auch mitpromoten, birgt das Synergien: Wir bekommen neue Nutzer, die Unternehmen bekommen neue Kunden.

In Deutschland spielt das Thema Datenschutz eine riesige Rolle. Wie gewährt Rublys diesen?
Erst einmal ist es so, dass niemand seinen richtigen Namen angeben muss. Ein Nickname, das Alter und das Geschlecht reichen. Nur wenn jemand etwas gewinnt, muss er seine Adresse angeben, aber das läuft dann ohnehin über die Unternehmen. Wir geben nie Daten an Dritte weiter. Wir würden ja unsere Nutzer verlieren, wenn die Unternehmen sie den ganzen Tag zuspammen können.

Es gibt ja auch andere Wege, wie Nutzer an Gutscheine kommen, zum Beispiel über Portale wie Cuponation. Wie grenzt sich Rublys davon ab?
Ich sehe diese Art von Portalen nicht als Konkurrenz. Auf der unternehmerischen Seite haben wir sicher einen ähnlichen Ansatz, aber auf der Nutzerseite nicht. Wir sind kein klassisches Gutscheinportal, auf das jemand kommt, um nach einem Rabatt zu suchen. Wir werden viel mehr als Spiel wahrgenommen: Wir generieren Impulskäufe von Nutzern, die durch uns erst auf ein Produkt aufmerksam werden. Es geht nicht um Rabatt, sondern um Interaktion.

Wie geht es für Rublys nun nach dem Accelerator-Programm weiter?
Wir wollen massiv wachsen. Wir wissen jetzt, dass unser Produkt funktioniert. Wir haben den Beweis in Österreich bereits gezeigt, aber jetzt wollen wir das Geschäft auch in Deutschland vorantreiben.

Was ist Ihr Ziel hierzulande?
Wir wollen drei Millionen Nutzer in der Bundesrepublik erreichen. Dann wären wir hier ungefähr so groß wie in Österreich.

In welchen Zeitraum können Sie sich vorstellen, diese Zahl zu erreichen?
Vorstellen könnte ich mir das bis nächsten Monat, aber das ist nicht realistisch. (lacht) Ich würde sagen, dass es bis Mitte 2017 möglich ist.

Und wie sieht es mit schwarzen Zahlen aus?
Das ist nicht so leicht zu beantworten. Das kommt auf die strategische Ausrichtung an. Wir sind schon länger kurz davor, einen positiven Cashflow zu verzeichnen. Aber ob wir auch Gewinn machen, kommt darauf an, wie schnell wir wachsen. Wenn man viel investiert, ist man auch schnell wieder weit weg vom positiven Cashflow.

Das heißt, Sie brauchen noch eine Finanzierung?
Wir haben ja zur Gründung von österreichischen Business Angels schon eine höhere Seed-Finanzierung eingenommen und suchen jetzt nach Venture Capital als Wachstumsfinanzierung.

Herr Zwittag, vielen Dank für das Gespräch.