Die App Flowtify will Hygienechecklisten in Restaurants ersetzen. (Copyright: PR/Flowtify)

Die App Flowtify will Hygienechecklisten in Restaurants ersetzen.
(Copyright: PR/Flowtify)

Flowtify: „Eine Software ist nie fertig“

Hygiene checken per App – das ist die Idee hinter dem Kölner Start-up Flowtify. Daniel Vollmer hat das Unternehmen im März 2015 gegründet. Sein digitales Konzept soll die klassischen Papier-Checklisten in der Gastronomie ersetzen. Einen ersten Erfolg kann das junge Start-up bereits vorweisen: Das Verbraucherschutzministerium in Nordrhein-Westfalen hat die App als Ersatz für Papierlisten anerkannt. Vollmer hat mit WiWo Gründer über Sauberkeit in Restaurants und seine Position als Nesthäkchen des Metro-Accelerators gesprochen.

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Vollmer, mit Flowtify können Restaurants ihre Hygienechecklisten digital verwalten. Wie ist die Idee entstanden?
Daniel Vollmer: Ich habe selber ein Café in Köln betrieben. Als unsere Mitarbeiterzahl stieg, stellte ich fest: Ich bin nicht mehr der Herr im Haus. Unsere Hygienechecklisten waren damals auf Papier, ich konnte nicht nachvollziehen, wann wer was gemacht hatte oder ob er es überhaupt gemacht hatte. Dabei müssen diese Listen täglich, wöchentlich oder monatlich ausgefüllt werden. Ich dachte: Das muss einfacher gehen. So entstand die Idee, eine App zu entwickeln.

Aber Apps für diesen Bereich gab es ja schon.
Ja, und ich habe auch alle ausprobiert. Aber keine davon hat gut funktioniert. Deswegen habe ich mich mit einem Entwickler kurzgeschlossen. Er sagte, ich müsse 30.000 bis 40.000 Euro für die Entwicklung einer App einplanen. Das war mir nur für meine Mitarbeiter zu viel. So kam die Idee, eine App für das gesamte Gastgewerbe zu entwickeln.

Wie sieht Ihre Lösung aus?
Flowtify generiert Checklisten zu vorgegebenen Zeiten. Mitarbeiter swipen eine Aufgabe, um sie als erledigt zu markieren. Es können aber auch Temperaturen, Fotos oder Unterschriften als Nachweis verlangt werden. Inhaber haben jederzeit von überall volle Kontrolle durch unsere Live-View-Funktion oder Notifications. Natürlich gibt es auch Tagesberichte, wenn gewünscht.

Im Januar haben Sie die Betaversion von Flowitify gestartet. Wie viele Unternehmen sind bislang dabei?
Derzeit testen 17 Betriebe mit knapp 30 Filialen unsere App. Wir haben Ketten wie Eathappy, die in 10 von 100 Filialen testen, wir haben eine Bäckerei, zwei Hotels aber auch einzelne Restaurants wie den Mädchenitaliener in Berlin. Von allen bekommen wir nun das erste Feedback.

Und wie sieht dieses Feedback bisher aus?
Erstaunlich gut. Ich dachte, dass ich vielleicht ein Pendant bin und als Einziger wissen will, wann die alten Zeitschriften aussortiert wurden. Aber wenn ich die Checklisten unserer Kunden sehe, dann merke ich, dass den Gastronomen neben den Hygienechecks genau diese Dinge auch wichtig sind.

Welche Dinge sind das genau?
Sie können auf Flowtify zum Beispiel die Anleitungen für die Kaffeemaschine oder ein Reinigungsvideo zu einem Gerät hochladen. Auch saisonale Tätigkeiten können die Gastronomen einspeichern, also wie die Stühle auf der Terrasse miteinander verkettet werden müssen. Viele sagen uns, dass sie durch Flowtify weniger erklären und die Mitarbeiter selbständiger agieren können. Aber auch die zweijährige Wartung des Feuerlöschers ist ein typischer Fall.

Nun zeigen sich ja in der Betaphase auch die Bugs, die noch zu beheben sind. Welche sind das bei Ihnen?
Bisher hatten wir keinerlei Bugs. Eine Software ist ja nie fertig. Wir haben gelernt, dass alle Restaurants die gleichen Anforderungen stellen, aber alle doch unterschiedlich sind. Ein Restaurant der Metro, mit dem wir zusammenarbeiten, setzt zum Beispiel auf Sammelunterschriften. Bisher mussten Mitarbeiter auf Papier nur eine Unterschrift für alle Aufgaben auf einem Blatt abgeben. Daran hatte ich nie gedacht, da bei uns alles einzeln unterschrieben werden musste. Das ist ein Feature, welches wir zwischenzeitlich eingebaut haben.

Wann soll die Alphaphase starten?
Der offizielle Launch ist zum 01. März geplant.

Und wo stehen Sie laut Businessplan bis Ende des Jahres?
Bis Ende 2016 wollen wir 800 Lizenzen erreicht haben. Eine Lizenz bedeutet bei uns eine Filiale. Habe ich zehn Filialen, brauche ich zehn Lizenzen. Bis Ende 2017 haben wir uns 2000 Lizenzen auf die Fahne geschrieben.

Wie verdient Flowtify Geld?
Unser Geschäftsmodell basiert auf einer monatlichen Gebühr, die abhängig von der Unternehmensgröße ist. Auf Grund meines persönlichen Backgrounds ist es mir besonders wichtig, dass sich jeder Café-Betreiber Flowtify leisten kann.

Die Größe der Filiale ist egal?
Erstmal ja. Aber wir bekommen auch Anfragen von Hotels. Wenn wir in dieses Segment wachsen wollen, müssen wir uns ein Preissystem nach Zimmern überlegen. Sonst ist es für uns wirtschaftlich nicht interessant.

Sie haben nun drei Monate am Metro-Accelerator-Programm teilgenommen. Warum?
Der Accelerator beschäftigt sich mit Food und Gastronomie, das passte für uns perfekt. Ich muss ehrlich sagen, ich kannte Techstars nicht, R/GA tauchte nicht mal in den Flyern auf. Aber bei der Metro habe ich schon im letzten Jahr Meet-ups in Düsseldorf besucht. Daher wusste ich, dass das Unternehmen gewillt ist, sich auf neue Wege zu begeben. Das Know-how und die Zielgruppe war natürlich für uns ebenfalls eine Punktlandung.

Und was hat die Teilnahme jetzt im Rückblick genutzt?
Viel. Wir haben viele Kontakte gesammelt, auch die Zusammenarbeit mit der Metro wäre ohne den Accelerator nicht unbedingt denkbar gewesen.

Was hat die Zusammenarbeit Ihrer App gebracht?
Das Produkt hat sich nicht viel verändert. Wir haben zwar noch mal überlegt, ob wir uns eher auf Hygiene oder eher auf Qualitätsmanagement konzentrieren. Wir haben uns die Frage gestellt, welches Feld wir vermarkten wollen. Aber am Ende sind wir doch beim ursprünglichen Konzept geblieben: Wir machen beides. Es kommt einfach auf die Zielgruppe an.

Wo soll es nun hingehen?
Gute Frage. Wir sind das Nesthäkchen des Accelerators. Unser Produkt war am wenigsten fertig, als wir hier angefangen haben. Daher gibt es noch keine Schlüsselzahlen, die wir nennen können. Durch eine Partnerschaft mit Metro wären auch zeitnah andere Märkte in Europa oder Asien denkbar. Sobald wir im sicheren Fahrwasser sind, werden wir uns diese Möglichkeiten ansehen.

Haben Sie einen Plan, wann Sie schwarze Zahlen schreiben wollen?
Ich habe mich tatsächlich kürzlich 48 Stunden lang an den Businessplan gesetzt. Wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, können wir 2018 schwarze Zahlen schreiben. Mit etwa 1700 Lizenzen müssten wir den Break Even erreichen.

Herr Vollmer, vielen Dank für das Gespräch.