Jeden Morgen sah ich machtlos mit an, wie der kleine rote Euro-Pfeil nach unten absackte. Nicht nur der Kursunterschied an sich, sondern auch die Tatsache, dass der Währungsverfall unmittelbar auf die Hauptbuchungszeit fiel und wir den größten Teil der verkauften Reisen mit dem alten Kurs kalkuliert hatten, tat doppelt weh. Ganz davon abgesehen, dass Preiserhöhungen im Tourismus durch den deutschen Gesetzgeber reglementiert sind.

Ich hätte zu dem Zeitpunkt standardisieren, optimieren, delegieren oder outsourcen können, wie ich wollte – auf manche externen Faktoren hat man als Unternehmer absolut keinen Einfluss und die einzige Option, die bleibt, ist zu kämpfen. In diesem Moment ist nichts mehr passiv und ein Einkommen gibt es schon gar nicht mehr.

Das Unwort des Jahres: „passives Einkommen“

Ich erkläre „passives Einkommen“ als das Unwort des Jahres für die Start-up-Szene, denn es vermittelt einen falschen Eindruck vom Gründertum. Jeder, der ein Unternehmen aufgebaut hat, weiß, wie wahnsinnig anstrengend eine Gründung ist, dass es kein Rundum-Sorglos-Paket gibt und ein Geldsegen nicht von alleine kommt.

Im Gegenteil: Geldknappheit ist keine Seltenheit und Übernachtungen im Auto bei Geschäftsreisen an der Tagesordnung. Auch kennt jeder Gründer durchgearbeitete Nächte im Büro, denn wie schon der Komiker Harry G sagt: „Work hard, denn für play hard bleibt da keine Zeit mehr.“