Ein Start-up aufbauen, verkaufen und nie wieder arbeiten müssen – so stellen sich viele das Gründen vor. Unsere Kolumnistin Meike Haagmans erklärt, warum das Quatsch ist.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen und mit anderen Kuriositäten der Start-up-Szene. Heute widmet sie sich dem Thema Krise beim Gründen. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Von Meike Haagmans

Es ist kurz vor Weihnachten und ich sitze mit einem Kollegen in Polen am Flughafen fest. In Frankfurt ist das Radarsystem ausgefallen und keiner weiß, wann es wieder funktionieren wird. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als in einem Café zu versacken und wie so oft folgt nach dem ersten Frust die Ironie. Man fängt an, sein Schicksal mit bissigen Witzen zu akzeptieren und um Zeit tot zuschlagen, beginnen auch wir, über sinnlose Themen zu scherzen und tauschen uns über die neusten firmeninternen Gerüchte aus.

Mein Kollege stellt dabei fest, dass es eigentlich eine Art Gerüchte-App geben müsste und beschließt, mal abgesehen von der Funktionalität, dass die Welt genau auf diese Innovation gewartet hat. Dann erklärt er mir: „Du kannst ja programmieren, ich mache etwas Marketing und dann läuft das Ding von ganz alleine. Wir werden nie wieder arbeiten müssen.“

Mit Lichtgeschwindigkeit in die Fast-Insolvenz

Ich musste kurz schlucken, denn trotz der Ironie in seiner Stimme hatte er mit seiner Aussage genau das Bild wiedergegeben, welches viele Außenstehende über Start-ups haben: Man hat eine Idee, gründet und kann anschließend sorgenfrei davon leben.

Vermutlich hat Timothy Ferriss mit seinem Bestseller „Die Vier-Stunden-Woche“ einen großen Teil zu dieser Einstellung beigetragen. Er spricht vom „passiven Einkommen“ und suggeriert, dass mit einer Kombination aus Organisation, Delegation und Outsourcing eine Firma in vier Stunden pro Woche gemanagt werden kann. Trotz einigen wenigen sinnvollen Ansätzen kann ich beim besten Willen diese Erfahrung nicht teilen.

Obwohl auch bei Joventour inzwischen die meisten Prozesse standardisiert sind und ein gutes Umsatzwachstum stattfindet, musste ich im vergangen Jahr das erste Mal am eigenen Leib erleben, was es heißen kann, kurz vor einer Insolvenz zu stehen. Und das alles absolut unverschuldet, denn der Euro fiel schneller als ein Meteorit vom Himmel und passierte mit Lichtgeschwindigkeit den kalkulierten Puffer für Währungsschwankungen. Im Gegenzug wurde der US-Dollar, unsere Einkaufswährung, unbezahlbar.