Beim Local-Shopping-Start-up Lokalpioniere soll expandiert werden. Doch der Erfolg kam erst nach einer unternehmerischen Kehrtwende.

Das Überleben des Einzelhandels sichern trotz der Übermacht aus dem Netz – das war und ist das Ziel der Lokalpioniere-Gründer. Im beschaulichen Rheda-Wiedenbrück erlebten sie hautnah, wie die kleinen und auch größeren Geschäfte unter dem Preiskampf aus dem Netz litten und viele über die Jahre ihre Türen dichtmachten. Um Abhilfe zu schaffen, gründeten Alexander Martinschledde (26) und Michael Fritzsch (33) 2012 Bürgermeister digitales Stadtmarketing. Über App und Online-Plattform können Nutzer nach Einzelhändlern in ihrer Nähe suchen, finden Infos zu Öffnungszeiten und Angeboten und können sich direkt zu den Geschäften navigieren lassen. Außerdem können Händler mit Rabattaktionen auf sich aufmerksam machen. Nach ersten Erfolgen stagnierte das Business jedoch. Im Interview spricht Alexander Martinschledde darüber, wie er und sein Team das Ruder doch noch herumreißen konnten, wie ihr Franchisemodell funktioniert und welche Ziele sie sich für Lokalpioniere gesetzt haben.

Von Paul Henkel

Wiwo Gründer: Wenn Sie jemandem erklären müssten, der noch nichts von Ihrem Unternehmen gehört hat: Worum geht es bei Lokalpioniere?
Alexander Martinschledde:
Wir bringen Franchise ins digitale Zeitalter und das mit einem gemeinnützigen Projekt für Klein- und Mittelstädte.

Korrigieren Sie mich, aber auf den ersten Blick ist Lokalpioniere für mich ein weiteres digitales Branchenbuch.
Das ist richtig, aber das Angebot kommt Einwohnern und Einzelhändlern in Klein- und Mittelstädten zugute. Die Einzelhändler haben heute durch E-Commerce sehr große Probleme. Sie können sich über das Crosschannelprojekt online, mobil und im Social Web präsentieren. Es hilft denen, die noch nicht so weit sind, diese Plattformen für sich zu nutzen. Und den Bürgern in Städte und Gemeinden ab 15000 Einwohner bringt diese App für das lokale Shoppen eine gehörige Portion Lifestyle.

Ist es dann nicht ein unternehmerisches Risiko mit Ihrem Konzept in diese Städte zu gehen, wenn die Einzelhändler diesen Plattformen gegenüber auch noch gar nicht so aufgeschlossen sind?
In großen Städten wie Berlin gibt es meistens Tourismus-Apps. Kleine Städte haben aber die Mittel gar nicht eine solche App, ein solches System, zu entwickeln und zu etablieren. Sie müssten ja auch jemanden haben, der sich mit dem Marketing darum herum auskennt. Darum gehen wir den unternehmerischen Weg und schaffen somit dutzende neue Entrepreneure.