Jeder dritte Verbraucher hat schon einmal seinen Wocheneinkauf im Netz bestellt. Tendenz: steigend. Doch es lauert Konkurrenz.

Der Test läuft noch zwei Wochen, doch der Onlinehändler Fairmondo ist schon jetzt fast am Ziel: Über seine Crowdfunding-Kampagne bei Startnext hat der Fairtrade-Anbieter bereits 7.400 Euro eingenommen – angepeilt sind 10.000 Euro. Mit dem Geld will Fairmondo einen Lieferdienst für Lebensmittel per Abonnement schaffen.

Fairmondo versteht sich als Marktplatz für faire gehandelte Produkte. Nun will das Portal sein Portfolio auch auf Lebensmittel-Abonnements ausweiten. Die sogenannten RundeSacheAbos sollen fair gehandelten Kaffee und Feinschmeckerprodukte enthalten. „Wir wollten durch die Crowdfundingkampagne die erste Nachfrage testen“, sagt Felix Weth, Mitgründer und Vorstand des Portals. Es sehe aber gut aus. Das Ziel von 10.000 Euro werde man wohl erreichen.

Lieferdienste für Lebensmittel gelten als der neue Wachstumsmarkt im Onlinehandel. Noch ist der Bereich „sehr unterrepräsentiert“, sagt Thomas Täuber, Geschäftsführer für Retail bei der Unternehmensberatung Accenture. Je nach Schätzung werden lediglich 0,5 bis 0,8 Prozent der Lebensmittel online eingekauft.

Punkten mit Abonnements, Einkäufern und Lieferdiensten

Doch der Anteil wächst: „Bis 2020 kann der Anteil des Onlinehandels bis auf drei Prozent anwachsen, was einem Gesamtmarkt von bis zu fünf Milliarden Euro entspräche“, sagt Mirko Warschun, Partner bei A.T. Kearney und Leiter des Beratungsbereichs Konsumgüterindustrie und Handel in der EMEA-Region. Andere Prognosen gehen sogar von einem Marktanteil von bis zu fünf Prozent bis 2020 aus. Jeder dritte Verbraucher gibt einer Studie der Unternehmensberatung zufolge an, schon einmal Lebensmittel im Internet bestellt zu haben. „Die deutschen Konsumenten schätzen dabei insbesondere die Nach-Hause-Lieferung und die damit verbundene Zeitersparnis und Convenience,“ erläutert Warschun.

Weil die großen Lebensmittelhändler noch kein Konzept gefunden haben, punkten derzeit gerade Start-ups in dem Bereich – die Vielfalt reicht von Abonnements wie bei Fairmondo über persönliche Einkäufer wie bei Shopwings bis hin zu Lieferungen wie bei Emmas Enkel. „Start-ups können die Nische nutzen, weil sie im Gegensatz zu den großen Lebensmittelhändlern keine hohen Fixkosten aus dem Filialbetrieb haben“, sagt Täuber. Für Lebensmittelhändler stelle sich hingegen die Frage, wie sie ihre Logistik so ausrichten könnten, dass Einzellieferungen günstig und schnell möglich werden. Denn: „Die Zustellung von Lebensmitteln ist zeit- und kostenaufwendig. Wer online zum selben Preis wie im Geschäft anbieten will, muss die Kosten über die Liefergebühren decken,“ sagt Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI Retail Institute in Köln.