FinTech-Start-ups bieten nicht nur digitalisierte Lösungen an, sondern auch eine andere Atmosphäre. Der Hoodie ist das Symbolbild für eine Branche im Wandel.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer:  Heute ist wieder Julian Heck dran. Er ist Journalist und auf medienjournalistische und digitale Themen spezialisiert und schreibt über die boomende Fintech-Branche.

Wenn eine Branche gerade vor einem gewaltigen Umbruch steht, dann ist es die Bankenbranche. Vor allem in der Finanzmetropole Frankfurt und in der Start-up-Hauptstadt Berlin sprießen viele Unternehmen aus dem Boden, die den Finanzsektor umkrempeln wollen – mithilfe technologischer Unterstützung. FinTech-Start-ups haben Lösungen parat, die bequem und in Windeseile von der Couch aus bedient werden können. Egal, ob es um Kredite geht, ums Bezahlen oder um Versicherungen. Digital ist besser. Das behaupten zumindest die Gründer.

Distanzierte Bank-Manager vs. hippe FinTech-Gründer

Aber es gibt abgesehen vom technischen Schnickschnack – der teilweise echt grandios ist – noch einen ganz anderen Aspekt, der dafür sorgt, dass FinTechs als Bedrohung für die Banken gelten. Die Rede ist vom Feeling, von der Atmosphäre beziehungsweise vom Image der Banken.

Seien wir mal ehrlich: An was denken wir, wenn wir das Wort “Bank” hören oder lesen? Coolness, Leichtigkeit und Nähe gehören sicherlich nicht dazu. Banken stehen für Seriosität. Sie wirken nicht modern, sondern klassisch, ein bisschen altbacken. Banker sind fein gekleidet, sie tragen einen Anzug. Sie begegnen uns freundlich, zuvorkommend, aber oftmals nicht sehr persönlich, sondern eher distanziert. Das alles bedeutet “Bank”.

FinTech steht für genau das Gegenteil. FinTech-Start-ups sind hipp, modern, persönlich und überhaupt nicht distanziert. Sie sind keine steif wirkenden Banker im Anzug, die mir das Geld aus der Tasche ziehen wollen, sondern lockere Typen im Hoodie, die im Tech-Unternehmen eine einfache Lösung präsentieren – und uns vielleicht trotzdem das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Bankenbranche bleibt Bankenbranche, so ist das.

Der Tod der Bankfiliale

Welchen Eindruck eine Bank hinterlässt, wirkt sich natürlich auch darauf aus, wie gerne man sich mit dem Thema Finanzen beschäftigt. Ein Gespräch bei der Bank, um beispielsweise einen Kredit abzuschließen, zählt sicherlich nicht zu den attraktivsten Terminen im Kalender.

Warum das so ist? Das hat mehrere Gründe: Zum einen wirkt die Atmosphäre in der Regel alles andere als locker. Alles ist ruhig, die Räume wirken schlimmstenfalls geradezu steril und die Mitarbeiter sind zwar freundlich, aber man könnte den Eindruck bekommen, sie wollen bloß keine Nähe zulassen. Zum anderen sind die ganzen Abläufe oftmals sehr kompliziert, langwierig und damit letztendlich alles andere als nutzerfreundlich. Bankfilialen schrecken in vielerlei Hinsicht ab.