Seit JustBook sich erfolgreich mit HRS angelegt hat gehört es zu den bekannteren Berliner Startups. Exakt zwei Jahre nach dem Start und nach mehreren Neu-Positionierungen haben die Gründer ihre Hotelbuchungs-Plattform nun verkauft – an das britische Luxushotel-Portal Secret Escapes. Im Interview erklärt Gründer Stefan Menden, warum der Verkauf der richtige Schritt ist.

Es ist die Nachricht des Tages in der deutschen Gründerszene: Das Londoner Unternehmen Secret Escapes übernimmt das Berliner Startup JustBook, eine beliebte Buchungsplattform für Hotels. Zum Kaufpreis machen beide Unternehmen keine Angaben.

Secret Escapes ist nach eigenen Angaben Großbritanniens Marktführer im Segment “Flash Sales für Luxus-Reisen”. Unter Flash Sales versteht man zeitlich begrenzte Angebote für registrierte Mitglieder mit großen Preisnachlässen – Secret Escapes etwa verspricht Preisnachlässe von bis zu 70 Prozent auf Luxushotels und zählt nach eigenen Angaben europaweit fünf Millionen Mitglieder, davon 200.000 in Deutschland. Die JustBook-Gründer Stefan Menden, Ognjen Zeric und Sebastian Fallert verfolgten lange ein anderes Geschäftsmodell: Über die Buchungsplattform lassen sich schnell und spontan Zimmer in ausgewählten Hotels buchen, die kurzfristig freie Betten vermarkten wollen. Jetzt sollen die mobilen Last-Minute-Reiseangebote von JustBook in das Angebot von Secret Escapes integriert werden.

Exakt zwei Jahre nach dem Start verkauft: Aus den JustBook-Gründern Stefan Menden, Sebastian Fallert und Ognjen Zeric (von links) werden nun Angestellte bei Secret Escapes

Exakt zwei Jahre nach dem Start verkauft: Aus den JustBook-Gründern Stefan Menden, Sebastian Fallert und Ognjen Zeric (von links) werden nun Angestellte bei Secret Escapes

JustBook galt lange als ein Hoffnungsträger der Gründerszene. Warum haben Sie sich entschieden, Ihr Unternehmen an Secret Escapes zu verkaufen?
Menden: Weil wir uns ausgezeichnet ergänzen. Unsere LastMinute-Buchungs-App wurde eine Millionen Mal heruntergeladen, wir haben Hotels in 25 Ländern im Angebot. Secret Escapes dagegen ist Mobile noch nicht so stark, hat aber dafür deutlich mehr Reichweite und inzwischen rund vier Millionen registrierte Nutzer seiner Web-Plattform. Deswegen ist es ein sinnvoller Schritt, uns zusammenzutun.

Das klingt eher nach Fusion als nach Verkauf…
Menden: Nein, JustBook wird zu 100 Prozent übernommen. Aber sowohl unsere 25 Mitarbeiter als auch wir, die drei Gründer, bleiben an Bord des neuen Unternehmens. Neben Produktion und Technologie war das Team für Secret Escapes ein wichtiges Kaufargument.

Wie viel zahlt Secret Escapes für JustBook und bekommen Sie über eine Earn-Out-Klausel Anreize, an Bord zu bleiben?
Menden: Zum Kaufpreis können wir leider keine Angaben machen. Aber in der Tat gibt es einen Incentive für uns, dass wir das Unternehmen jetzt weiter unterstützen.

Wann haben die Gespräche mit Secret Esapes begonnen?
Menden: Wir haben die Gründer auf der ITB 2013 kennengelernt. Schnell war uns klar, dass wir gut zusammen passen würden. Dabei hat geholfen, dass wir mit Index Ventures einen gemeinsamen Investor haben, der die Entscheidung voll unterstützt hat. Trotzdem hat es ein paar Monate gedauert, bis wir am 19. Dezember beim Notar die Verträge unterschrieben haben – übrigens auf den Tag exakt zwei Jahre nach unserem ersten Termin beim Notar, als wir JustBook gegründet haben.

Was wird aus der Marke JustBook?
Menden: Wir werden uns wahrscheinlich bald auf Secret Escapes konzentrieren – die Marke ist sexy, klar als Luxusmarke positioniert und europaweit bekannter als unsere. Eine Zwei-Marken-Strategie macht da keinen Sinn.

In den vergangenen zwei Jahren haben Sie Ihr Geschäftsmodell mehrmals angepasst und zuletzt einen „Hotel Circle“ gestartet, bei dem Mitglieder exklusive Angebote buchen können. War der Verkauf auch der Tatsache geschuldet, dass sie so lange vergeblich nach dem richtigen Kurs gesucht haben?
Menden: So würde ich das nicht sagen. Wir waren schon recht erfolgreich. Der Trend, dass Menschen Hotels mobil buchen, ist nicht zu stoppen. Aber trotz des Erfolgs waren wir ein verhältnismäßig kleiner Anbieter im Markt und mit dem Mobile-LastMinute-Geschäft allein konnten konnten wir uns nicht ausreichend vom Wettbewerb differenzieren. Da bin ich heute in der Tat skeptischer als beim Start vor zwei Jahren.

In der deutschen Gründerszene gilt ein Trade Sale als klassischer Fall: Weil Wachstumskapital knapp ist und attraktive Exitkanäle für Investoren fehlen verkauft man irgendwann an einen Wettbewerber aus dem Ausland, anstatt selbst auf Einkaufstour zu gehen. Ist JustBook ein weiteres Beispiel für diesen Trend?
Menden: Die Kritik ist teilweise berechtigt. In unserem Fall aber lag es nicht an Kapitalmangel, dass wir verkaufen. Wir haben aber auch gemerkt, dass der deutsche Markt zwar anfangs sehr ergiebig, aber dann auch irgendwann erschöpft ist. Wir sind quasi an die Wachstumsgrenze gestoßen. Da macht es mehr Sinn, sich mit einem anderen Unternehmen zusammenzutun, das ohnehin gerade international expandiert.

Kann das Buchungsportal HRS, gegen das sie vor dem Kartellamt die Abschaffung seiner Bestpreis-Klausel erstritten haben, jetzt aufatmen – oder muss es noch mehr Angst vor Ihnen haben?
Menden: Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie HRS das beurteilen wird, schließlich konzentriert sich Secret Escapes auf ausgewählte luxuriöse Unterkünfte in größeren Städten. Aber zusammen mit uns wird sich das Unternehmen sicher noch schneller Anteile im Hotelbuchungsmarkt sichern.

JustBook war nicht Ihre erste Gründung. Ist es Ihre letzte gewesen?
Menden: Für mich ist es eine einzigartige Erfahrung gewesen JustBook in so kurzer Zeit von der Konzeption der Idee bis zum Exit aufzubauen. Jetzt geht es für mich und meine Mitgründer zu 100 Prozent darum, Secret Escapes auf dem deutschen Markt zu etablieren und unser Mobile-Produkt zu integrieren; darauf werde ich mich in der nächsten Zeit konzentrieren. Aber langfristig kann ich mir nicht vorstellen, dass JustBook meine letzte Gründung gewesen ist.


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