Nach zehn Jahren Finanzierung zieht der High-Tech-Gründerfonds eine positive Bilanz der deutschen Start-up-Szene. Gründer und Investoren hingegen sehen die Lage kritischer.

Deutschland ist ein Land der Innovationen: Johannes Gutenberg erfand den Buchdruck, Gottlieb Daimler das Motorrad. Heinrich Göbel entwickelte die Glühbirne und Philipp Reis das Telefon. Werner von Siemens baute die erste Straßenbahn und Felix Hoffmann mischte das Aspirin. Kurzum: Die Deutschen wussten schon immer, wie man intellektuelle Kraft in ökonomische Bahnen lenkt.

Jahrhunderte später gelten Ideen immer noch als wichtige Ressource. Doch während das Start-up-Mekka Silicon Valley durchstartet, hinken deutsche Gründer hinterher: Deutschland zählt zwar zu den Innovationstreibern der Welt, glänzt aber nicht unbedingt mit seiner Gründerszene. Während der Erfolg der deutschen Wirtschaft weitestgehend auf alteingesessenen Industrien beruht, mausern sich die Start-ups Kaliforniens zu den erfolgreichsten Unternehmen der Welt. Aus dem einstigen Land der Erfinder ist hingegen das europäische Schlusslicht unter den Gründern geworden. Das zumindest belegen die Zahlen.

Die Ideen grenzenlos, die Finanzierung eingeschränkt

Auf dem Family Day des High-Tech-Gründerfonds (HTGF) merkt man davon wenig. Mehr als 800 Teilnehmer strömten in den vergangenen zwei Tagen in die Veranstaltungssäle des Kameha Grand am Bonner Rheinufer, um die eigene Szene zu feiern und Kontakte zu knüpfen. „Die Entwicklung der deutschen Gründerlandschaft ist absolut positiv“, sagt Michael Brandkamp, Geschäftsführer des High-Tech-Gründerfonds, der nach eigenen Angaben der aktivste Frühfinanzierer Europas ist und in junge, chancenreiche Technologie-Unternehmen investiert. „Wir sehen einen deutlichen Wandel in der jungen Generation und glauben, dass sich dieser Trend noch verstärken wird.“

Der Querschnitt der Gäste beweist, dass die deutsche Start-up-Szene lebendiger ist, als man glauben mag. Unter den Gästen befinden sich mehr als 270 Investoren, 37 Business Angels und 245 Gründer, von denen einige an diesem Tag ihr Glück beim Pitchen versuchen: Goldene Sensorimplantate im Auge, die den Innendruck messen; Apps, über die man schon unterwegs einen Parkplatz am Zielort suchen kann; und Boxen, die mit Stahlseilen an der Hauswand befestigt die Pakete des Empfängers sichern, sollte der bei Lieferung nicht daheim sein. Die Ideen der Gründer auf dem Family-Day scheinen grenzenlos. Doch vielen fehlt die Finanzierung.