Hellofresh geht an die Börse. Rocket muss Kritik an seiner Mitarbeiterführung einstecken, die „Höhle der Löwen“ für zu viel Show. Und der Mythos techuninteressierter Frauen wurde in dieser Woche gleich doppelt widerlegt.

Die Gerüchte kursierten schon lange, nun hat Hellofresh sie bestätigt: Das Rocket-Internet-Unternehmen geht an die Börse – voraussichtlich noch in den nächsten vier Wochen. Anders als der Start-up-Inkubator will Hellofresh gleich von Beginn an in den Prime Standard, das transparente Segment der deutschen Börse. Mit dem IPO würde Oliver Samwer eines der neun Ziele erfüllen, die er den Rocket-Anlegern erst Anfang des Monats versprach: den Börsengang eines Start-ups binnen der nächsten 18 Monate. Mit ein bisschen Anlegergück könnte der Boss der Berliner Unternehmensschmiede dann sogar einen zweiten Punkt von seiner Liste abhaken: dass Hellofresh sehr viel größer wird als von vielen erwartet.

Dass Start-ups nach wie vor hoch im Kurs stehen, zeigte sich an dieser Woche gleich in mehreren Branchen: Das Berliner Unternehmen Basslet konnte den reichsten Mann Asiens von seinem Musikarmband überzeugen. Das Österreicher Unternehmen Eversport erhielt eine Million Euro, unter anderem von den Berliner Investoren von Point Nine Capital. Nachdem das Versichungsunternehmen Getsafe in der vergangenen Woche bereits einen Millionenbetrag einsammelte, verkündete in dieser Woche auch der Schweizer Konkurrent Knip eine Finanzierungsrunde in Höhe von 14 Millionen Euro. Einen sechsstelligen Betrag konnten mit dem Biga-Data-Start-up für Autohändler, Veact, und der Oldtimer-Plattform Classic Trader auch zwei junge Unternehmen aus der Autoindustrie einsammeln. Eines ist klar: Wenn die Millionen für Hellofresh an der Börse so fließen wie in dieser Woche in der Start-up-Szene, dürften bei Rocket Internet die Sektkorken knallen.

„Zum Schluss kommen die Mitarbeiter“

Nicht ganz so erfreut dürfte man bei der Start-up-Schmiede hingegen über einen Bericht des „Spiegels“ in dieser Woche gewesen sein. In dem Artikel berichtet das Magazin über cholerische Chefs und schlechte Stimmung in der Start-up-Schmiede. „Erst kommen die Investoren, dann die Kunden und zum Schluss die Mitarbeiter“, zitiert es einen ehemaligen Manager. Für Kenner der Szene (oder auch Leser von Joel Kaczmareks Buch „Die Paten des Internets“) sind die Erkenntnisse nicht neu, und doch beschreibt der Artikel mit triftigen Gründen, warum das Thema für Rocket so wichtig ist: Um neue Start-ups stets mit neuen Mitarbeitern zu besetzen, muss das Unternehmen attraktiv für junge Absolventen bleiben. Ein kritischer Artikel hilft dabei nicht gerade.

Eine ähnliche Faszination wie Rocket Internet übt auf Gründer die Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ aus: Auch wenn Start-ups wissen, dass sie möglicherweise keinen Deal bekommen und ihr Geschäftsmodell in der Sendung auseinander genommen werden könnte, bewerben sie sich für die Show. Die Zuschauer goutieren die „Löwen“-Arena auch deshalb mit hohen Einschaltquoten. Am Dienstag lief nun das Staffelfinale, wieder verfolgten mehr als zwei Millionen Menschen die Sendung – trotz starker fußballerischer Konkurrenz.

Doch nach elf Wochen „Das ist für mich kein Investmentcase“ und „Ich bin Ihr Kunde, aber nicht Ihr Investor“ von Seiten der „Löwen“ dreht sich die Kritik: Nun stehen die Investoren selbst im Kreuzfeuer. Nachdem bereits der Deal mit Coffee Bags geplatzt war, wurde in dieser Woche auch bekannt, dass MyDoy365 nicht das Geld bekam, das in der Sendung versprochen wurde. Auch MySchokoWorld, das letzte Start-up in der zweiten Staffel, das auf dem Bildschirm einen Deal erhielt, verhandelt noch um das genaue Investment.

Von geplatzten Deals und dem Mythos der wenigen techbegeisterten Frauen

Wie viel Show hinter den Versprechen in der Sendung steckt, hat die „Gründerszene“ recherchiert: Von 32 Deals in der Sendung selbst kamen später 18, also mehr als die Hälfte, nicht zustande. Man muss fairerweise sagen, dass auch eine normale Finanzierungsrunde nicht in 15 Minuten abgeschlossen wird und dass auch sie nach mehreren Monaten Verhandlungen noch platzen kann. Trotzdem muss sich Vox die Frage gefallen lassen, wie viel Show und wie viel ernsthafte Absicht tatsächlich in der Sendung steckt.

Wer regelmäßig Start-up-Konferenzen besucht, der dürfte die meisten Sprecher irgendwann kennen. Ob auf der „Bits & Pretzels“ oder auf der „Noah“ – die Vortragenden sind meistens männlich. Dass es auch anders gehen kann, zeigten in dieser Woche gleich zwei Veranstaltungen: das „Ada Lovelace Festival“ in Berlin und das „Start-up Weekend Woman“ in Düsseldorf. Beide Veranstaltungen bewiesen, dass es nicht an Frauen mangelt, sondern dass sie nur viel gezielter angesprochen werden müssen.

In dieser Hinsicht darf man die „Höhle der Löwen“ durchaus auch loben: Mit zwei Investorinnen unter den „Löwen“ liegt die Frauenquote deutlich über dem Durchschnitt. Bleibt zu hoffen, dass auch andere Konferenzen künftig etwas mehr Diversity – nicht nur mit Blick auf Frauen – wagen.