Für Health-Start-ups bieten sich 2016 große Chancen – deshalb hier drei Gründe, warum es sich lohnt, jetzt ein Start-up auf den Weg zu bringen.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt zum ersten Mal Niklas Veltkamp. Er ist Mitglied der Geschäftsführung beim Branchenverband Bitkom und dort für Start-ups zuständig.

Neulich beim Arzt: Mein Impfschutz ist seit zwei Jahren abgelaufen, niemand hat mich darüber informiert. Wie auch? Die Infos über meine Impfungen sind schließlich nur schlecht leserlich in meinem Impfpass eingetragen, den ich alle paar Jahre in irgendeiner Schublade finde. Warum gibt’s die Infos nicht digital, warum bekommt man keinen automatischen Reminder? Bisher heißt Digitalisierung im Gesundheitswesen zu oft nur Diskettenlaufwerk, nicht App-Ökonomie. Doch das könnte sich ändern, das System steht vor großen Umwälzungen.

Wearables in Form von Fitness-Trackern oder Smartwatches, die nebenbei auch Körperfunktionen wie Temperatur oder Puls messen und Schritte zählen, erleben einen Boom. Wieso als Diabetiker komplizierte Listen auf Papier führen, warum Pulsmessungen mühsam selbst durchführen und die Zahlen irgendwo notieren? Kann Big Data schon bald im Kampf gegen Krebs helfen?

Start-ups stehen bereit: Das zeigt sich heute schon an größer werdenden Finanzierungsrunden, an Health-Fonds wie XL Health und Digital Health Ventures und vor allem an mehr und mehr Gründern, die bei der nächsten Gesundheits-Revolution dabei sein wollen. Zwei von drei Gesundheitsexperten erwarten, dass digitale Technologien nicht nur die Lebenserwartung verlängern, sondern auch dabei helfen werden, Krankheiten wie Krebs zu besiegen. Think big: Kommt der Penicillin 2.0-Gründer schon bald aus Deutschland?

Die Start-ups werden schon erwartet

Dass junge, innovative Unternehmen das Potential haben, ganze Branchen umzukrempeln, haben sie oft genug gezeigt. Laut einer Bitkom-Umfrage sagen 69 Prozent der CEOs und Geschäftsführer von Pharma-Unternehmen, die größte Konkurrenz im Gesundheitssektor sind Start-ups. Diese Aufmerksamkeit bietet zum einen die Chance für Kooperationspartner, zum anderen wird die Meinung vermutlich auch bald außerhalb der Chefetagen der großen Pharma-Unternehmen geteilt, etwa bei Krankenkassen, in der Politik und nicht zuletzt auch bei den Patienten.

Dafür gibt es Beispiele: Das Berliner Hörtechnologie-Start-up Mimi kooperiert seit Mai mit der Charité – mit dem Ziel, Produkte rund ums Hören nicht nur zu entwickeln, sondern auch wissenschaftlich zu validieren: vom Smartphone-Hörtest bis zur individuell angepassten Hörunterstützung. Das Lübecker Team Patientus erprobt mit der TK Online-Video-Sprechstunden im Praxisalltag – und ebenfalls bei der TK gibt es die Tinnitus-App vom jungen Hamburger Unternehmen Sonormed („Tinnitracks“) auf Rezept. In der Start-up-Szene gilt diese Vereinbarung mit der größten deutschen Krankenkasse als bahnbrechend.