In Berlin sprach Ex-Minister zu Guttenberg über Internettrends 2016, das Sterben der Unicorns und zu wenig genutzte Chancen für Europa.

Karl-Theodor zu Guttenberg präsentierte sich in bester Laune auf der Hub Conference in Berlin. „Bei Fußnoten muss ich ja aufpassen“, scherzte der Ex-Minister, der seit dem Ärger mit seiner Doktorarbeit in den USA als Berater arbeitet und sich viel mit Internetthemen beschäftigt. In seinem Vortrag ging es daher um die transatlantische Perspektive und Trends für das kommende Jahr. Und da zeigte sich an vielen Stellen Skepsis. „Wir sind in einer der schwierigsten Situationen in den vergangenen Jahren“, sagte Guttenberg.

Die Terroranschläge in Paris und jüngst im kalifornischen San Bernardino würden den Konflikt zwischen Sicherheitsbedürfnis und Datenschutz weiter anheizen. Das ohnehin durch den NSA-Skandal strapazierte Verhältnis zwischen Internetkonzernen einerseits und Staat andererseits dürfte neue Belastungsproben erleben. Die Differenzen zwischen Politik und Unternehmen seien so groß wie lange nicht. Da helfe es nicht, dass Wahlen anstehen und „ein blonder Irrer namens Donald“ mit Forderungen wie Einreiseverboten für Muslime oder einer Schließung des Internets Stimmung mache.

„Stolzer auf die europäische Start-up-Szene sein“

Dies sei allerdings eine große Chance für Europa. Ein ähnliches Plädoyer hatten schon der für den Digitalen Binnenmarkt zuständige EU-Kommissar Andrus Ansip bei den Eröffnungsreden gehalten. „Wir sollten stolzer auf die europäische Start-up-Szene sein“, sagte Ansip. In Bereichen wie eHealth, Robotics oder dem Internet der Dinge hätten auch Europäer die Chance, die nächste Unternehmensgeneration hervorzubringen.

Dem schloss sich auch zu Guttenberg an, allerdings werde noch zu wenig getan. Und in Bereichen wie Künstlicher Intelligenz hätte im Gegensatz zu den USA noch nicht einmal eine Debatte über die Potenziale aber auch mögliche Gefahren eingesetzt. „Es wäre schade, wenn wir in einigen Jahren auf die andere Seite des Atlantiks gucken und feststellen, dass sie dort leider wieder schneller waren“, warnt zu Guttenberg.

Doch auch auf die gehypten und hochfinanzierten US-Start-ups kommen härtere Zeiten zu. Aus einigen Unicorns könnten im kommenden Jahr Unicorpses werden. Und Schwierigkeiten prophezeit Guttenberg auch hiesigen Einhörnern mit einem Seitenhieb auf die Hoffnungsträger der Samwers: „Man wird das in Berlin nicht gern hören, aber der Boom der Essenslieferdienste geht zu Ende“. Man könne schließlich gar nicht so viel essen, wie die Start-ups zu liefern versprechen.