In den letzten Monaten mussten einige vielversprechende Start-ups Insolvenz anmelden. Wie verhält man sich als Gründer? Ein Experte gibt Tipps.

Wenn das vielversprechende Geschäftsmodell sich doch als nicht gewinnbringend entpuppt, steckt das Start-up in der – oft unüberwindbaren – Krise. Ausstehende Rechnungen können nicht beglichen, Mitarbeiter nicht bezahlt werden. Insolvenzen sind bei Start-ups nicht selten. Allein in den vergangenen Monaten scheiterten junge Unternehmen, denen man viel zugetraut hatte – wie Tollabox oder Wummelkiste.  Philip Koch, Rechtsanwalt bei HK2 Rechtsanwälte in Berlin, gibt Tipps, wie Geschäftsführer in der Krise reagieren sollten.

Herr Koch, was kann man tun, um sich vor einer Insolenz zu schützen?
Das beginnt eigentlich schon vor dem eigentlichen Start. Ein solider Businessplan einschließlich Liquiditätsplanung für wenigstens drei Jahre ist ein Muss, um die Erfolgschancen des eigenen Unternehmens und seines Kapitalbedarfs richtig einschätzen zu können. Der Businessplan sollte regelmäßig mit der Entwicklung des Unternehmens abgeglichen und fortgeschrieben werden, um rechtzeitig Abweichungen erkennen und gegensteuern zu können.

Handelt es sich beim Start-up, wie ja meist, um eine Kapitalgesellschaft (zum Beispiel eine GmbH), ist es wichtig, die Gesellschaft mit ausreichend Kapital auszustatten, um die Anlaufphase zu überstehen. Die durch die Unternehmergesellschaft geschaffene Möglichkeit einer Gründung mit geringem Stammkapital ist zwar verlockend, aber eine geringe Kapitaldecke ist eben auch entsprechend schnell aufgebraucht. Sie ist daher nur zweckmäßig, wenn das Unternehmen von Anfang an kostendeckend arbeitet, eine andere Form der Finanzierung, wie z. B. eine Finanzierungsrunde unmittelbar nach Gründung, gesichert ist oder zunächst keine bzw. nur sehr geringe Kosten anfallen. Andernfalls steuert man mit einer unterkapitalisierten UG direkt in die Insolvenz.

Welche typischen Fehler passieren immer wieder?
Ist der Gründer auch Geschäftsführer, muss er schon vor der Krise einige Pflichten beachten, wenn er im Fall der Insolvenz nicht in Schwierigkeiten geraten möchte. Zu nennen sind hier etwa die Pflicht zur ordnungsgemäßen Buchführung oder fristgerechten Aufstellung von Bilanzen. Bei GmbHs häufig unbeachtet bleibt die Pflicht der Geschäftsführung, bei Verlust der Hälfte des Stammkapitals unverzüglich eine Gesellschafterversammlung einzuberufen. Dabei kann die Verletzung dieser Pflichten jeweils strafbar sein und zu Schadensersatzforderungen gegen den Gründer führen.

Es gibt einige Fallstricke.
Sobald Zahlungsschwierigkeiten auftreten, empfehle ich die unverzügliche Aufstellung einer Liquiditätsbilanz, um festzustellen, ob bereits Zahlungsunfähigkeit besteht oder nur ein Liquiditätsengpass vorliegt. Diese Liquiditätsbilanz sollte bis zur nachhaltigen Beseitigung des Engpasses fortgeführt und auch anschließend zu Nachweiszwecken aufbewahrt werden.

Vorsicht ist geboten beim „Schieben“ fälliger Zahlungen beim Arbeitsentgelt. Denn Nichtabführung der Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung ist strafbar und Behörden kennen in diesem Fall auch kein Pardon. Das gilt auch schon für eine verspätete Zahlung, die spätere Begleichung beseitigt die Strafbarkeit also nicht. Der Geschäftsführer haftet persönlich.