Eine gute Idee, aber der passende Mitgründer fehlt? Auf Internetportalen wie Founderio können Gründer diese finden. Mittlerweile suchen dort auch Unternehmen.

Entwickler sollte er sein und genauso motiviert wie er: Das waren die wichtigsten Voraussetzungen von Sebastian Gräf, als er vergangenes Jahr nach einem Mitgründer suchte. Es ist nicht sein erstes Start-up gewesen und er wusste: Gründen muss man zu hundert Prozent. Dieses Verständnis verlangte er auch von seinem Mitgründer.

Denn neben der richtigen Idee und einem guten Geschäftsmodell ist das Team ein wichtiger Teil des Erfolges eines Start-ups. Um Gründern bei der Suche nach Mitgründern zu helfen, gibt es zahlreiche Plattformen im Internet. Diese versuchen auch zunehmend Unternehmen der innovativen Branche näherzubringen.

Sebastian Gräf hat seinen Mitgründer über die Plattform Founderio kennengelernt, die vorher Mitgründer hieß. Sie ist eine der größten Vermittler-Plattformen in Deutschland und wurde 2013 von Kai Lindemann, Christoph Baier und Alexander Barge gegründet. 4000 angemeldete Nutzer hat die Seite. Im Schnitt rufen 10.000 Besucher das Portal im Monat auf. „Netzwerken ist wichtig für Start-ups“, sagt Gründer Christoph Baier. Aber das ist aufgrund von Zeit und Geld nicht immer möglich.

Die Suche ist deutschlandweit möglich

„Unsere digitale Plattform hilft deshalb, Leute schneller und treffsicherer zusammenzubringen“, sagt er. Dies ist laut Baier vor allem der Fall, wenn man sehr spezifische Eigenschaften und Kompetenzen sucht. Zudem wird so die Suche deutschlandweit möglich. Braucht ein Münchener Team einen Programmierer, kann dieser auch in Berlin auf das Start-up aufmerksam werden.

Und auf viele Inserate würden sich laut Baier nicht nur Gründungswillige melden, sondern auch andere Gründer mit Tipps und Kontakten. Selbst Mitarbeiter von Forschungsinstituten hätten sich beispielsweise schon auf Inserate gemeldet und Expertise angeboten.

Sebastian Gräf hat auf sein Gesuch bei Founderio zahlreiche Anfragen erhalten und sich vor der Gründung mit mehreren Kandidaten getroffen. Am Ende hat er sich für seinen heutigen Partner Andreas Schrade entschieden, der nicht wie Gräf in Berlin, sondern in Nürnberg sitzt. „Trotz der Entfernung hat es sehr gut gepasst“, sagt Gräf. Seit fünf Monaten haben sie nun ihr Start-up Enter, dass unter anderem Apps im Auftrag für Unternehmen entwickelt.

In Deutschland gibt es neben Founderio vor allem Plattformen von Universitäten, wie die Team-Börse auf der Seite der Humboldt-Universität, die bei der Suche nach Mitgründern hilft. In den USA haben Shahab Kaviani und Culin Tate vor drei Jahren das Portal CoFoundersLab gegründet, das mittlerweile mehrere zehntausend Nutzer in unter anderem den USA, Kanada und Israel hat. Ähnlich wie bei Founderio können Gründer dort auf die Suche nach Mitgründern gehen und sich für ihre Ideen zusammentun.

Unternehmen suchen nach Innovation

Seit dieser Woche bietet Founderio aber einen weiteren Service für die Nutzer der Plattform: Die Vernetzung von Gründern und Unternehmen. „Solche Kooperationen haben viel Potenzial“, sagt Baier. Dies zeigten bekannte Beispiele wie die Deutsche Telekom, die die Dienstleistungen des Musik-Start-ups Spotify in sein Angebot integriert habe, und die Deutsche Kreditbank, die die Dienste des Start-ups Cringle für das Versenden von Geld via Smartphone nutzte.

Außerdem könnten laut Baier Unternehmen so auf sich aufmerksam machen. „Kleinere Unternehmer überlegen sich zweimal, ob sie direkt eine Veranstaltung für mehrere tausend Euro organisieren, um mit Start-ups in Kontakt zu kommen“, sagt Baier.

Ein Unternehmen, das die Plattform bereits nutzt, ist die Fotoentwicklungsfirma Cewe. Sie ist gutes Beispiel dafür, was Unternehmen bei Start-ups suchen: Innovation. „Unternehmen haben zwar viele Ressourcen und den Marktzugang“, sagt Baier. „Start-ups wiederum haben eine stärkere Innovationskraft und Geschwindigkeit.“

Auf Founderio sucht Cewe nach Teilnehmern an ihrem Wettbewerb für Foto-Apps. Bis zu 10.000 Euro können die Entwickler einer neuen Anwendung gewinnen. Für das Unternehmen hat die Suche online zwei Vorteile: Einerseits sitzt es in Oldenburg und nicht in der Start-up-Hochburg Berlin. Nur lokale Veranstaltungen wären also wahrscheinlich nicht gut besucht und auch teuer.

Des Weiteren ist das Unternehmen nicht so bekannt wie die Deutsche Telekom oder Daimler, so dass viele Entwickler es nicht als Erstes im Kopf haben, wenn sie nach Investoren und Unterstützung bei ihren Ideen suchen. „Unser Unternehmen gründet sich auf Innovationen“, sagt Arno Möller von Cewe. Bei ihren Aktivitäten und dem Gesuch auf Founderio gehe es ihnen darum, „das kreative Potential das außerhalb des Unternehmens“ zu erreichen.

Damit sich Start-ups und Unternehmen finden, können die Nutzer des Portals die Anzeigen wie Ausschreibungen von Wettbewerben oder Veranstaltungen durchsuchen. Für Gründer sind die Grundfunktionen kostenlos, die Unternehmen müssen für die Anzeigen zahlen.

Auch Sebastian Gräf will die Plattform in Zukunft für sein Start-up nutzen. Enter ist im B2B-Geschäft aktiv. Es sei nicht leicht, Kontakt zu großen Unternehmen zu gewinnen, sagt Gräf. „Die Seite kann das einfacher machen.“