Im Bereich Food werden besonders viele Start-ups gegründet. Doch immer mehr scheitern oder werden aufgekauft, wie Kochzauber und KommtEssen.

Von Lena Skrotzki

Es war eine Rettung in letzter Sekunde: Das Berliner Start-up Kochzauber sollte eigentlich eingestellt werden, doch dann ist der Discounter Lidl unerwartet eingestiegen. Kochzauber wurde 2012 von Steffi Keuler und Frederic Knaudt mit der Idee gegründet, Kochrezepte mit den dazugehörigen Lebensmitteln bis an die Haustür des Kunden zu liefern. So können sich Paare, Familien oder Singles, die Pakete nach ihren Wünschen zusammenstellen lassen. Aber das Konzept kam nicht gut an. Im Herbst stiegen MyToys der Otto-Gruppe und Project A Ventures, die das Start-up bislang finanziert hatte, aufgrund der steigenden Verluste aus.

Zuverlässige Belieferung zu adäquaten Preisen

Lebensmittel-Lieferdienste haben es in der Regel schwer, sagt Christian Kille, Professor für Handelslogistik der Hochschule Würzburg. Grund dafür ist, dass die Logistik der Auslieferung von Lebensmitteln teuer ist und einen extrem hohen Wettbewerb mit den stationären Einzelhändlern hat. „Erst ab einer gewissen Bündelung von Aufträgen pro Tour kann von Effizienz geredet werden. Deshalb steigen besonders anfangs die Verluste schnell in die Höhe, wenn die Mengen fehlen.“ Wenn man bei einem Lebensmittellieferdienst von einem Durchschnittswarenkorb von beispielsweise 20 Euro und drei Lieferungen pro Fahrt ausgehe, dem Abzug des Stundenlohns, und der Einrechnung der Kommission und der Liefergebühr, bliebe am Ende nicht mehr viel für das Unternehmen übrig. Skalierbarkeit? Fehlanzeige. Dabei sei sie es doch, die ein gutes Start-up auszeichnet.

Ein ähnliches Geschäftsmodell wie Kochzauber hat auch das Rocket Internet Start-up Hello Fresh – mit deutlich mehr Erfolg. Das Start-up ist momentan eines der erfolgreichsten im Food-Markt. Erst im September verkündete HelloFresh eine Finanzierungsrunde über 75 Millionen Euro bei einer Firmenbewertung von mittlerweile 2,6 Milliarden Euro. Das Unternehmen ist damit eines von wenigen Einhörnern in Deutschland.

„Einhörner“ bezeichnen in der Start-up-Szene junge Unternehmen, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind. Hellofresh wurde schon seit längerem als potenzieller Kandidat für diesen Titel gehandelt. Schlagzeilen machte das Unternehmen allerdings damit, dass ein Börsengang im November abgesagt wurde. Nun wird der Börsengang für den Januar ermittelt.