Die aber ist für Konzerne oft viel wichtiger. Ein gutes Beispiel dafür ist Kochzauber: Das Unternehmen verschickt Kochboxen mit Rezepten in mehr als 50 deutsche Städte. Der Markt für solche Boxen gilt als extrem vielversprechend: Wettbewerber Hellofresh zum Beispiel wird derzeit mit rund 2,6 Milliarden Euro bewertet.

Für Lidl werden solche digitalen Geschäftsmodelle immer wichtiger, um langfristig im Lebensmittelhandel bestehen zu können. Doch das nötige Know-how und auch die technische Infrastruktur im Konzern aufzubauen, ist schwer, Geld und Personal werden fürs Tagesgeschäft gebraucht. Durch den Zukauf von Kochzauber kann das Unternehmen seine Kompetenzen in diesem Bereich nun deutlich ausbauen.

Online-affine Mitarbeiter zum kleinen Preis

„Unternehmen müssen abwägen“, sagt Stubner. „Kostet es mich mehr, das Wissen selbst zu generieren oder es einzukaufen?“ Gerade bei insolventen Start-ups ist letztere Variante oft deutlich günstiger. Weder bei der Übernahme von Kochzauber noch bei Food Express ist der Kaufpreis bekannt – besonders hoch dürfte er aber nicht gewesen sein. Ein florierendes Start-up aufzukaufen, kann dagegen schnell einen zweistelligen Millionenbetrag kosten – wenn die Gründer überhaupt verkaufen wollen.

Ein weiterer Vorteil für Lidl und Co.: Wer ein Start-up kauft, gewinnt online-affine, unternehmerisch denkende Mitarbeiter. Für Konzerne sind solche Köpfe viel wert, da sie ihnen helfen, den digitalen Wandel voranzutreiben. Über klassische Stellenanzeigen findet man diesen Typ Mitarbeiter aber selten.

Der größte Gewinn für die Unternehmen seien aber die Kundendaten der Start-ups, sagt Tobias Kollmann, Professor für E-Business an der Universität Duisburg-Essen. „Etablierte Unternehmen können dadurch viel über neue Zielgruppen lernen.“ Welche Produkte funktionieren gut, welche weniger? Wie kann der Internetauftritt optimiert werden? Für Konzerne sind die Start-ups eine perfekte Spielwiese.