Finanz-Start-ups sorgen für Furore. In diesem Jahr könnten sie den Massenmarkt erobern – auch durch Schützenhilfe von Apple & Co.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt wieder Julian Heck. Er ist Journalist und auf medienjournalistische und digitale Themen spezialisiert und beleuchtet bei uns die boomende FinTech-Branche.

Von Julian Heck

Die Zeit der Nische ist vorbei. Im vergangenen Jahr hat FinTech für so viel Aufmerksamkeit gesorgt wie nie zuvor. Die Digitalisierung des Finanzwesens treibt nicht mehr nur einzelne Start-ups um, sondern eine ganze Reihe von jungen Unternehmen. Selbst die bis dato innovationsfaulen Banken scheinen 2015 aus ihrem Dämmerschlaf erwacht zu sein. Es braucht keinen Blick in die Glaskugel, um zu prognostizieren: In diesem Jahr wird FinTech ein noch größeres Thema – womöglich sogar eines der größten Themen in der Start-up-Landschaft.

Immerhin ist FinTech inzwischen ein Begriff, der nicht mehr immer und überall ein großes Fragezeichen erzeugt – auch außerhalb der Branche. Start-ups versuchen mit ihren digitalen Finanz-Lösungen den Massenmarkt zu erreichen. 2015 hat es Werbung für die digitale Geldanlage ins Fernsehen geschafft, genauso wie Apps zur Verwaltung von Versicherungen. Start-ups wollen ein auf den ersten Blick komplexes Thema mit einfachen, übersichtlichen und schnellen Tools an den Mann beziehungsweise an die Frau bringen.

Insbesondere von der Insurance-Sparte dürfen wir 2016 einen großen Sprung erwarten, weil Versicherungsmanager-Apps wie Knip oder GetSafe einen hohen Nutzwert für Kunden haben können – nämlich Übersicht, die ansonsten oft fehlt.

Einfachheit, Übersicht und Schnelligkeit sind auch Kernelemente für Banking-Apps. Allen voran Number26 kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken: Die Nutzerzahl steigt, die Expansion ins Ausland schreitet voran und der Funktionsumfang wird stetig erweitert, darunter unter anderem das kostenlose Geldabheben dank einer Kooperation mit Barzahlen (wiederum ein Start-up mit Positivschlagzeilen) und die Einführung der Maestro-Karte, ohne die es in Deutschland (noch) schlecht aussieht.

Wenn sich Number26 in diesem Jahr nicht total blöd anstellt, könnte es einmal mehr das Vorzeige-Start-up der deutschen FinTech-Szene sein – und das könnte Deutschland gut gebrauchen im Hinblick auf die starke Tech-Konkurrenz aus den USA.

Gut möglich, dass 2016 ein entscheidendes Jahr ist, in dem sich andeuten wird, ob Google, Apple, Samsung und Co. sich einen bedeutenden Platz auf dem FinTech-Markt erkämpfen und kleinere Start-ups verdrängen oder nicht.

Apple Pay und Android Pay kommen nach Deutschland

Wenn Apple Pay und Android Pay in diesem Jahr nach Deutschland kommen und versuchen, mit einem Schlag einen großen Anteil des Mobile-Payment-Marktes zu ergattern, dann hat das für die übrige FinTech-Szene aber nicht nur Nachteile. Schließlich trommeln Apple und andere Big Player für einen Markt, der erst noch im Entstehen ist. So wird es auch Ihnen zu verdanken sein, dass FinTech 2016 die große Bühne betritt.

Dennoch: Neben einer überzeugenden Marketingstrategie – die beispielsweise dem im B2B-Markt gescheiterten Yapital fehlte -, einer sinnvollen Funktion und guter Usability muss es Start-ups auch darum gehen, das Vertrauen der Nutzer zu erobern beziehungsweise nicht zu verspielen. Beim Thema Finanzen ist nichts wichtiger, als den Kunden Sicherheit zu garantieren (soweit möglich). Hat ein Start-up mal den Ruf einen reinen Datensammlers, wird es schwierig, das Image wieder ins Positive zu wandeln.

Glaubwürdigkeit, starke Argumente und natürlich ein gutes Produkt – eventuell in Kooperation mit traditionellen Playern der Finanzbranche – dürften die zentralen Aspekte im FinTech-Jahr 2016 werden, damit sie den großen Schritt aus der Nische auf die große Bühne nicht in den Sand setzen.