Christian Lindner plädiert für das Scheitern, zwei Gründerinnen preschen mit dem Modell Start-up, Mutter, Kind vor und Oliver Samwer erlebt seine erste Hauptversammlung – die News des Jahres.

Börsengang und doch kein Börsengang, die Frage nach dem Sinn des Exits, viele neue Einhörner und ein Plädoyer für das Scheitern: WiWo Gründer wagt einen Blick zurück auf die Themen, die die Start-up-Szene in diesem Jahr besonders bewegt haben.

Christian Lindner und das Scheitern

Was eine fehlende Kultur des Scheiterns bedeutet, musste im Februar der FDP-Chef Christian Lindner erfahren. Als er im nordrhein-westfälischen Landtag über die Start-up-Szene sprechen wollte, unterbrach ihn ein Abgeordneter und erinnerte den Liberalen an seine eigene Pleite. Lindner hatte in der New Economy ein Unternehmen gegründet, es ging allerdings insolvent.

Lindner reagierte auf die Worte mit einer Wutrede. „Wenn man scheitert, ist man sich Spott und Häme sicher“, schimpfte er. „Welchen Eindruck macht so ein dämlicher Zwischenruf wie Ihrer auf irgendeinen gründungswilligen Menschen?“ Der FDP-Chef traf mit seiner Rede einen Nerv, insgesamt wurde sein Video mehr als zwei Millionen Mal angesehen, es entstand eine Debatte über die Gründerkultur.

Allerdings waren die Reaktionen nicht nur positiv. So schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ beispielsweise von einer „abgefahrenen“ Idee, die der Politiker einst hatte – sein Start-up Moomax entwickelte Avatare, also virtuelle Figuren. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ erinnerte daran, dass es sich um eine „seltsame Idee“ gehandelt habe, „für die es überhaupt keine Kunden gab“. Ob das Scheitern trotzdem hämisch kommentiert werden muss, ist jedoch eine andere Frage.