Der Ärger über den neuen Entwurf eines Anti-Angel-Gesetzes ist verständlich und nachvollziehbar. Sollte der Entwurf  zum Gesetz werden, liegen im Wandel auch Chancen.

Ein Gastbeitrag Sven von Loh und Peter Wolff

Aktuell herrscht bei Start-ups und Business Angels großes Gejammer. Der Grund ist bekannt: Das Bundesfinanzministerium hat kürzlich einen Entwurf für ein Investmentsteuerreformgesetz veröffentlicht, das die Betroffenen als Anti-Angel-Gesetz verstehen. Der Entwurf sieht nämlich vor, dass die so genannten Veräußerungsgewinne aus Streubesitzbeteiligungen künftig deutlich stärker besteuert werden sollen. Das heißt: Geldgeber müssen bei einem Verkauf ihrer Anteile mehr Geld an den Staat abgeben.

Bislang gewährte der Gesetzgeber Business Angels, die ihre Veräußerungsprofite sofort wieder reinvestierten, eine Steuerermäßigung von circa 95 Prozent. Damit soll künftig Schluss sein, wenn das Parlament den Entwurf aus dem Bundesfinanzministerium für ein Investmentsteuerreformgesetz tatsächlich verabschiedet.

Aber jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten, die Kehrseite hier kommt in der aktuellen Diskussion ein Stück weit zu kurz. Klar, es ist plausibel, dass sich Start-ups, Business Angels und ihre Verbände über diesen Gesetzentwurf aufregen. Schließlich bezieht jedes dritte Start-up Geld von Business Angels. Meist liegt deren Investment zwischen 10.000 und 500.000 Euro, und dies in einer Phase, in der das Investmentrisiko am größten ist. Viele Gründer befürchten nun, dass Business Angels aufgrund der drohenden Steuernachteile deutlich schwieriger dafür zu gewinnen sein werden, sich an ihren Vorhaben zu beteiligen. Sie halten eine Steuerstundung für eine unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass Business Angels in Start-ups investieren.

Tatsächlich nehmen die zunehmend professionell agierenden Business Angels seit einigen Jahren eine immer wichtigere Rolle ein auf dem Markt der Frühphasenfinanzierung. Ihre Bedeutung wird in den nächsten Jahren sogar noch weiter zunehmen.