180.000 Euro haben Judith Williams, Frank Thelen und Vural Öger in Von Floerke investiert. Nun folgt die Zusammenarbeit mit einem großen Konzern.

Seit seinem Auftritt bei der Höhle der Löwen ist schon einige Zeit vergangen: Drei Löwen haben damals investiert, aber nicht mit allen ist Gründer David Schirrmacher (23) zufrieden, wie er im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer erzählt. Trotzdem ging es nach der Show gut weiter: Vier Monate lang hat Von Floerke mit Galeria Kaufhof verhandelt, jetzt ist der Deal perfekt, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfuhr. “Wir haben uns auf eine sehr ausführliche Partnerschaft mit Modell-Actions und Spezialaktionen in Frankfurt, München, Berlin, Köln, Hannover, Oberhausen und Bonn geeinigt”, sagt David Schirrmacher. Damit soll eine neue Käuferschicht erreicht, und die Bekanntheit gesteigert werden.

Von Laura Waßermann

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Schirrmacher, vor kurzem haben Sie Ihren ersten Von Floerke-Shop in Wien aufgemacht. Wie war die Eröffnung?
Die war cool. Wir hatten den Krawattenkönig Jan-Hendrik Scheper-Stuke da. Er war nur aus Spaß da, obwohl er das gleiche Produkt verkauft. Das ist so wie wenn der BMW-Chef zu einer Audi-Eröffnung geht.

Und warum haben Sie den Shop in Wien eröffnet und nicht in Bonn?
Schauen Sie sich die Leute an, die in Wien herumlaufen. Jeder ist auf seine Art und Weise stylisch, selbst die Studenten tragen beim Ausgehen Krawatten im college style. Es ist eine klassische Stadt und gleichzeitig modern. Das passt zu unserer Marke. Und Wien ist schließlich die Stadt mit rund 450 Abendbällen pro Jahr.

Das hört sich gut an, aber welche wirtschaftlichen Gründe gab es für Österreich?
Wir haben festgestellt, dass wir in Österreich schnell an Bekanntheitsgrad gewinnen. Also habe ich überlegt, wo ich am besten eine Internationalisierung im deutschsprachigen Raum durchziehen kann. Und daraus wurde Wien.

Der erste Shop war ein wichtiger Schritt. Was sind die nächsten?
Bevor das Weihnachtsgeschäft losgeht, wollen wir in großen Kaufhäusern vertreten sein. Bei Kaufhof haben wir schon unterschrieben und zwar für die sechs größten Filialen, unter anderem Berlin und Köln. Weitere Großhänder und Premium-Kaufhäuser sollen folgen.

Wie fühlt sich das an, gut anzukommen?
Unglaublich. Ich habe mir eigentlich immer kleine Ziele gesteckt und jetzt ist es schön, dass mehr als nur der engere Freundeskreis die Accessoires gut findet.

Und wirkt sich das schon auf den Umsatz auf?
Ja. Was wir ursprünglich im Monat verdient haben, das Geschäft machen wir heute in vier bis fünf Tagen alleine mit dem Onlineshop. Zudem hat uns natürlich auch der Auftritt bei HSE, dem Shoppingsender, geholfen.

Warum?
Weil wir gemeinsam mit Judith Williams mehrere Produkte, vor allem einen Seidenschal für 100 Euro, vorgestellt haben. Das hatte sie uns bei Vertragsabschluss versprochen.

Williams hat ihr Versprechen also gehalten. Wie sieht das bei Frank Thelen und Vural Öger aus?
Mit Frank spreche ich mehrmals pro Woche, sehe ihn mindestens einmal. Er gibt mir und meinem Team sehr viel Input, coacht uns unter anderem in dem Umgang mit Mitarbeitern. Wenn ich ein Problem habe, rufe ich Frank an. Öger hält sich im Hintergrund.

Was heißt das?
Öger ist momentan noch sehr zurückhaltend. Er ist vermutlich sehr beschäftigt mit seinem Reisegeschäft, ich hätte mir aber mehr Support von ihm gewünscht. Zum Beispiel, dass er uns ein paar Kontakte vermittelt.

Das hat er nicht?
Nein, aber vielleicht war ich auch naiv. Man bekommt im Unternehmertum nichts geschenkt. Was cool von Öger war, war das Fotoshooting für die Höhle der Löwen und Von Floerke. Er repräsentiert den Klassik-Look ja wie kein anderer in der Runde.

Wenn das so weiter geht, braucht ihr vielleicht doch einen Plan B?
Ach, dann studier ich meinen Master in VWL weiter.

Wenn Sie an die Löwen-Zeit zurückdenken: Was ist Ihr persönliches Highlight?
Mein Highlight? Hui. Naja es gab da einen Vorfall direkt vor der Aufnahme, so zwei Minuten bevor unser Pitch gedreht werden sollte. Da kam die Ausstatterin in unsere Garderobe – also die Frau, die für die Outfits verantwortlich ist – und meinte, dass mein Outfit überhaupt nicht cool sei. ‚Und damit willst du schicke Mode präsentieren?‘ Ich war sehr irritiert, dachte ‚Krass, das kann sie doch nicht sagen‘. Das war nicht die Art Motivation die ich vor meinem ersten Fernsehauftritt gebraucht habe.

Und haben Sie das Outfit in letzter Minute noch gewechselt?
Nein. Ich fand es gut und darauf kam es an.

Ein Fazit bitte. Ist die Teilnahme an der Vox-Sendung Sprungbrett oder langfristige Partnerschaft?
Frank sagt immer, der Gründer wird auf eine Rakete gesetzt und dann wird geguckt, wie weit er fliegen kann. Ich sage: Die Sendung ist das Sprungbrett und die Löwen sind die langfristige Partnerschaft.

Vielen Dank für das Gespräch.