Eine solide Finanzplanung ist die Basis jedes Start-ups. Events wie „Dein Tag zum Finanzieren“ helfen jungen Gründern dabei – und zeigen die Probleme auf.

Als Sabine Roeltgen ihre klassische Karriere beendete, begann ihr unternehmerischer Erfolg. Fast zwei Jahrzehnte arbeitete sie als Führungskraft, kümmerte sich um das Marketing des Großkonzerns Henkel und beschäftigte sich mit Budget, Finanzplanung und Geld. „Irgendwann war es Zeit für Plan B“, sagt die 48-Jährige, die schon immer ein Faible für Zahlen hatte. Sich an ein Unternehmen binden, das kam für sie nicht mehr in Frage. Sie wollte selbstbestimmt arbeiten, das tun, wofür sie brennt, und andere mit ihrer Leidenschaft für Finanzen anstecken. Deshalb entschied sie sich, ihren Job aufzugeben und sich selbstständig zu machen: Sie gründete eine Coaching-Firma, in der sie Frauen im Umgang mit Geld berät.

Ihre Motivation, zu gründen, war groß, doch der Weg zum eigenen Unternehmen nicht leicht. Rund 340.000 Start-ups wie ihres wurden nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) im Jahr 2013 von Gründern ins Leben gerufen – bei 354.000 Pleiten. Schuld an den Misserfolgen ist meist fehlendes Branchenwissen der Gründer, mangelnde Marktkenntnis oder falsche Geschäftspartner. Zudem haben nur die Wenigsten Ahnung von Kostenkalkulation, Liquiditätsplänen und Rentabilitätsrechnung. Wer Erfolg haben will, braucht also Hilfe.

„Mit Herzblut allein hat noch niemand gegründet“

Sabine Roeltgen weiß das – und holt sich deshalb Know-how bei Programmen wie „Dein Tag zum Finanzieren“. Auf der Veranstaltung in den Räumen des Start-up-Inkubators Startplatz erzählen erfolgreiche Gründer, Rechtsanwälte und Berater, wie eine gute Finanzierung aussieht. Mehr als 40 Besucher – internationale Studenten, ehemalige Manager, Webentwickler und auch Berater – sind am Dienstag nach Köln gekommen und wollen von den Referenten wissen, wie sie ihr Start-up finanzieren können. Für viele im Raum ist die Finanzierung nämlich die größte Hürde

„Mit Herzblut allein hat noch niemand gegründet“, sagt auch Professor Richard Geibel, einer der Referenten der Veranstaltung. Er lehrt an der Kölner Fresenius Hochschule. „Wer erfolgreich sein will, braucht den schnöden Mammon“, so Geibel.

Selbst für Zahlenfan Roeltgen war die Finanzplanung anfangs eine Herausforderung. Unter der Woche arbeitete sie für Henkel, nur am Wochenende blieb Zeit, um die Gründung vorzubereiten. Tage und Nächte schrieb sie an ihrem Konzept, jonglierte mit Zahlen und errechnete ihre Liquidität. Fast zwei Jahre lang. Am Ende hielt sie einen Business-Plan in den Händen, 15 Seiten, kurz und knapp. „Hätte ich keinen Gründercoach gehabt, hätte ich es wohl nie geschafft“, sagt Roeltgen heute.

Dabei ist es eigentlich so einfach – sagt zumindest Barbara Lampl. Nicht mehr als ein Blatt Papier, einen Stift und ein paar Excel Sheets braucht es, um ein Unternehmen zu gründen, sagt die studierte Mathematikerin und Psychologin. Die Finanzfachfrau blickt auf 15 Jahre Unternehmensberatung zurück und gibt in Seminaren wie „Dein Tag zum Finanzieren“ ihr Wissen weiter. Sie gilt als Expertin in Sachen Business-Plan, hat sie doch schon mehr als 1000 Start-up-Konzepte geprüft. „Das A und O eines jeden Start-ups sind die Zahlen“, sagt sie in ihrem Vortrag. Jeder Gründer müsse Umsatz und Kosten kennen. „Eine gute Finanzplanung ist der wichtigste Baustein, um grundlegende strategische Entscheidungen zu treffen und richtige Schlüsse zu ziehen.“