Oliver Samwer wirbt für Ideen, die skalierbar sind. Unsere Kolumnist fordert mehr Herzblut von Gründern. Was diese Woche wichtig war.

Der Essenslieferdienst Delivery Hero will sich von Großaktionär Rocket Internet nicht vorschnell aufs Börsenparkett treiben lassen: „Ich treffe meine Entscheidung gemeinsam mit allen Investoren, da kann Oliver Samwer Druck machen, wie er möchte,“ sagte Unternehmenschef Niklas Östberg der WirtschaftsWoche. Und das Start-up ist ein heißer Kandidat für einen einen Börsengang: 101 Millionen Euro hatte Delivery Hero zuletzt eingesammelt und wird mittlerweile mit 2,8 Milliarden Euro bewertet. Außerdem hatte Firmenchef die Gerüchte noch angeheizt, in dem er ankündigte, dass in den nächsten 18 Monaten eines “unserer Start-ups an die Börse” gehen wird. Ein zweiter heißer Kandidat wäre Hello Fresh. Welche Start-ups an die Börse gegangen sind – und es bald tun werden.

Aber Oliver Samwer hält erst einmal einen Vortrag an seiner Alma Mater, der WHU in Vallendar. Und räumt gleich mal auf mit dem Irrglauben, dass eine gute Idee alleine reiche: Es komme auf die Größe der Idee an. Samwers Vortrag ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Start-up-Szene aus den Kinderschuhen herausentwickelt hat – und nicht mehr jede Idee gefeiert. Oliver Samwer selbst hingegen schon – und das bevor er überhaupt die Bühne betreten hat. Bei dem teilweise aggressivenVorgehen von Start-up-Inkubator Rocket Internet fällt es schwerOliver Samwer als einen Gründer mit Herzblut zu bezeichnen – vielleicht war er das irgendwann einmal. Aber Herzblut ist genau das, was unsere Kolumnistin Meike Haagmans von den Gründern fordert. Die Start-up-Szene setze nur noch auf Schein, und nicht mehr auf Kreativität, schreibt sie. Und erinnert auch daran, dass Wachstum nicht mehr das einzige Kriterium für eine erfolgreiche Gründung ist.

Start-ups beschönigen zu oft ihre Misserfolge: Deshalb scheint es in der Start-up-Szene mehr Marktführer als Märkte zu geben. Das kann nicht sein, findet unser Autor in seinem Kommentar und kritisiert: Mit welcher Unverfrorenheit manche Gründer ihre Geschichten aufhübschen ist jedoch erstaunlich – um nicht zu sagen dämlich, fast schon leichtsinnig.