Das Limousinenportal Blacklane bringt seit Kurzem Smarts mit Chauffeur auf die Straße – zunächst nur in Berlin, andere Städte sollen folgen. Gründer Jens Wohltorf erklärt, wie er den Taxifahrern damit Kunden abjagen will und wie das Berliner Startup weiter wachsen soll

Die Blacklane-Gründer Frank Steuer und Jens Wohltorf schicken in Berlin Smarts auf die Straße - mit Chauffeur. Foto: Blacklane

Die Blacklane-Gründer Frank Steuer und Jens Wohltorf schicken in Berlin Smarts auf die Straße – mit Chauffeur. Das 2011 gegründete Startup vermittelt über seine Plattform Chauffeur-Services in über 130 Städten weltweit und beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 80 Mitarbeiter. Foto: Blacklane

Herr Wohltorf, im Dezember konnten Sie Daimler als Investor für ihr Chauffeur-Portal Blacklane gewinnen und eine Finanzierungsrunde im zweistelligen Millionenbereich abschließen. War das der Durchbruch?
Jens Wohltorf: In jedem Fall hat es uns ermöglicht, noch weiter und noch schneller zu wachsen. Inzwischen befördert Blacklane pro Monat zehntausende Fahrgäste auf fast allen Kontinenten. In Berlin testen wir jetzt außerdem ein neues Angebot: Wir haben eine Smart-Klasse eingeführt und können mit einem Partner wie Daimler derartige Projekte auch sehr schnell umsetzen und ausrollen.

Was genau verbirgt sich dahinter?
Wohltorf: Wer die Smart Class bucht, wird von einem Chauffeur im schicken, schwarzen Smart abgeholt. Ab fünf Kilometer ist der Service deutlich günstiger als ein Taxi und umweltfreundlicher als die meisten anderen Fahrzeuge sind die Smarts auch. Nach drei Wochen Testbetrieb mit einer Handvoll Fahrzeugen zeigt sich: Das Angebot kommt bestens an – sowohl bei Geschäfts-, als auch bei Privatkunden.

Die Taxifahrer ärgert das: Auf Ihrer Facebook-Seite beschimpfen sie Blacklane als „Drecksfirma“. Wie sehr trifft Sie das?
Wohltorf: Einige Fahrer haben uns bereits gebeten, ohne Blacklane-Schriftzug zu fahren, weil sie von Taxifahrern angepöbelt werden.Das Ausmaß und die Ausdrucksweisen sind schon erschreckend. Aber dass hier einige Akteure im Markt nicht begeistert sind, dass wir verkrustete Strukturen und Monopole aufbrechen, haben wir erwartet. Jüngst haben wir ein derartiges Verhalten auch in Paris beobachtet, wo unsere Chauffeure bei einem großen Taxi-Streik beim Ausführen ihrer Arbeit gehindert wurden. Da hört für mich der Spaß auf.

Die Taxifahrer drohen Ihnen mit Klagen und Beschwerden, weil Sie aus deren Sicht gegen geltendes Recht verstoßen. Was halten Sie entgegen?
Wohltorf: Diese Behauptungen beziehen sich auf eine über 30 Jahre alte Verordnung für den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr, die besagt, dass Taxen und Mietwagen auf der rechten Seite mindestens zwei Türen haben müssen. Die Regel ist sinnvoll, damit die Fahrgäste auf der Rückbank das Fahrzeug im Notfall schnell verlassen können. Aber sie stammt aus einer Zeit, in der es keine Smarts gab. Denn diese haben bauartbedingt nur eine Tür auf der rechten Seite und keine Rückbank, auf der Fahrgäste platznehmen könnten.

Trotzdem: Sie haben diesen Regelbruch einfach so riskiert?
Wohltorf: Nein, natürlich nicht. Das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten in Berlin hat sich hier sehr professionell verhalten und uns eine Ausnahmegenehmigung erteilt – weil ja offensichtlich ist, dass eine Tür auf der rechten Seite beim Smart aus Sicherheitsgründen vollkommen ausreicht. Die Beamten haben das Gesetz verstanden, manch Kritiker offensichtlich noch nicht.

Verstehen Sie die Angst der Taxifahrer?
Wohltorf: In der Tat ist unser Angebot disruptiv und wird den Markt neu ordnen. Wir werden dafür kämpfen, es auch in anderen Städten starten zu können. Aber für ausgewählte Taxifahrer liegt darin doch auch eine große Chance: Wenn sie einen überdurchschnittlichen guten Service anbieten, können sie sich gerne bei Blacklane für die Smart Class anmelden.

Sie vermitteln bisher eher edle und teure Karossen. Keine Angst, dass Sie sich mit den Smarts ein Eigentor schießen und selbst kannibalisieren, weil weniger Menschen die teuren Autos buchen?
Wohltorf: Nein. Unser Limousinen-Service-Kunde schätzt den Komfort und die Größe der Limousine. Wir konzentrieren uns mit der Smart Class auf die heutigen Taxikunden, die Wert auf guten Service legen. Alleine in Berlin sprechen wir hier von über 50.000 Taxifahrten pro Tag. Diesen Kunden wollen wir von unserem besseren Service zu günstigeren Preisen überzeugen.

Unternehmen wie Blacklane stehen vor einem Henne-Ei-Problem: Sie brauchen Anbieter, damit ihre Plattform für Nutzer interessant wird – und sie brauchen Nutzer, um die Anbieter anzulocken. Wie haben Sie das Problem gelöst?
Wohltorf: Das war in der Tat eine Herausforderung. Wenn der erste Kunde auf die Plattform kommt, muss er bereits ein umfangreiches Angebot vorfinden. Das Ei muss quasi gelegt sein, bevor die Henne kommt. Deswegen müssen wir in jeder Stadt erst die Chauffeure überzeugen. Aber die ticken heutzutage sehr innovativ und waren von Anfang an offen für unsere Idee, ihre teuren Leerfahrten zu vermeiden und die Fahrzeuge besser auslasten zu können. Inzwischen eilt uns ein sehr guter Ruf voraus: Blacklane ist eine globale Marke geworden und die Chauffeure schätzen die faire Partnerschaft sehr.

Woran machen Sie das fest?
Wohltorf: Im vergangenen Jahr hatten wir eine verrückte Idee: Wir wollten unser Angebot in 100 Tagen in 100 neuen Städten rund um den Globus starten – vorher haben wir nur ein bis zwei neue Städte pro Monat ins Angebot aufgenommen. Nach einer intensiven Zeit der Vorbereitung und der Optimierung unserer internen Prozesse haben wir mit New York im Juli angefangen, es folgten Hong Kong, San Francisco, Kapstadt und viele andere, alles von Berlin aus. Das war eine unglaubliche Belastung für das Team, aber auch ein großer Erfolg, den wir feiern wollten. Deswegen sind wir im Dezember mit dem ganzen Team nach Palma de Mallorca gereist, der 131. und letzten Stadt des Jahres auf unserer Plattform.

Wie läuft es in den USA, dem Heimatmarkt ihres Wettbewerbers Uber?
Wohltorf: Die USA sind inzwischen unser wichtigster Markt: Seit unserem Start in Chicago haben wir unser Angebot dort auf 32 Städte ausgeweitet. Wir verstehen uns übrigens nicht als direkter Wettbewerber von on-demand Edel-Taxi-Lösungen.

Wieso das? Immer wieder heißt es, Blacklane sei eine Art Klon von Uber und damit ein weiteres, typisch deutsches Copycat-Startup.
Wohltorf: Die Idee zu Blacklane hatten Frank Steuer und ich 2009 in Chicago, als der Markt noch vollkommen unbetreten war. Während andere einen On-Demand-Service versuchen anzubieten, bei dem man spontan eine Limousine bestellen kann, bieten wir unseren Kunden einen On-Order-Service, bei dem man eine Limousine im Voraus bestellen kann. Wir hingegen wurden schon mehrfach vergeblich versucht zu kopieren, nicht zuletzt von einem Anbieter aus dem süddeutschen Raum, der sogar unsere Fahrer ausgefragt und die Technologie eins-zu-eins nachgeahmt hat.

Wie genau sollen die Teilnehmer von Ihrer Lösung profitieren?
Wohltorf: Unser Service gibt sowohl den Fahrern, als auch den Fahrgästen Sicherheit. Die Fahrer wissen genau, was sie verdienen, die Kunden, was sie bezahlen. Es gibt kein bösen Überraschungen. Und sie können im Voraus planen. Das ermöglicht den Fahrern, ihre Leerfahrten zu reduzieren. Und unsere Kunden können mit dem guten Gefühl ins Flugzeug steigen, dass am Ziel bereits eine Limousine wartet – sie brauchen sie nicht erst vor Ort versuchen zu buchen. Das bedeutet: Blacklane und andere On-Demand-Lösungen ergänzen sich eher, als sich in die Quere zu kommen.

Auf Dauer könnten Sie und Uber sich aber sehr wohl ins Gehege kommen. Kürzlich sollen bereits wichtige Mitarbeiter der Berliner Niederlassung zu Ihnen gewechselt sein. Was spricht dagegen, dass Blacklane irgendwann selbst On-Demand-Fahrten anbietet?
Wohltorf: In der Tat sind zwei Mitarbeiter zu uns gewechselt, die erkannt haben, dass bei Blacklane gerade viel Musik drin steckt. Das hat uns gefreut. Ob wir langfristig auch einen On-Demand-Dienst anbieten, können wir jetzt noch nicht sagen. Wir konzentrieren uns darauf, unser Angebot noch besser auf die Zielgruppe der Geschäftsreisenden auszurichten. Deswegen haben wir kürzlich die Preise weiter gesenkt. So werden wir immer attraktiver – auch für jene Menschen, die bisher aus Kostengründen nur Taxi gefahren sind. Außerdem werden wir weiter internationalisieren. Erst wenn das geschafft ist, denken wir über die nächsten Schritte nach. Eins ist klar: Wir haben gerade erst angefangen und haben noch viel vor mit Blacklane.


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